Berlin - «Sind's die Augen, geh zu Ruhnke» - dieser Werbespruch begleitet Brillenträger seit 106 Jahren. Am Donnerstag wird der Name des alteingesessenen Berliner Familienbetriebes aber endgültig getilgt. Mit dem neuen dänischen Eigner kommt auch ein anderer Name: Synoptik.
22 Jahre alt, eröffnete Optikermeister Carl Ruhnke im April 1896 an der Leipziger Straße nahe des Spittelmarktes sein erstes Geschäft für «wohlfeile Sehhilfen». Bald folgte eine Fabrik in Rathenow. 1920 beschäftigte Ruhnke bereits 200 Mitarbeiter. Dank der blendenden Geschäfte erwarb Ruhnke in Zehlendorf ein 20 000 Quadratmeter großes Grundstück mit einem von Peter Lenné gestalteten Park.
Nach dem tödlichen Unfall des Firmengründers 1922 auf der Fahrt nach Rathenow übernahm seine Witwe Martha die Firma. Sohn Fritz stieg 1933 ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg fingen Mutter und Sohn wieder von vorn an. Fritz Ruhnke verlegte die Fertigung nach Hamburg. Sohn Jörg übernahm 1975, er kam 1986 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Seitdem leitete Peter Barg, Ehemann von Christa Ruhnke, das Imperium.
Nach mehr als 100 Jahren fehlte der Familie jedoch jemand, der die Optikertradition weiterführen wollte, so dass die Firma an den dänischen Konzern Synoptik verkauft wurde. Die 29 Filialen in Berlin bleiben erhalten, doch der Name Ruhnke gehört endgültig der Vergangenheit an. rit

