24 WM-Rennen ist sie gefahren, vier Medaillen hat sie dabei gewonnen, doch jetzt müssen es ihre Nachfolgerinnen richten: Zum ersten Mal seit 2005 beginnt am Dienstag eine alpine Ski-WM ohne Maria Höfl-Riesch. Nach ihrem Rücktritt beobachtet die 30-Jährige als ARD-Expertin in Vail und Beaver Creek (US-Bundesstaat Colorado) gespannt, wer Siege einfährt – oder wem die Nerven versagen.
Berliner Morgenpost:
Dienstag beginnt die Ski-WM in den USA, und zum ersten Mal nach weit mehr als zehn Jahren mussten Sie sich nicht auf eine WM vorbereiten. Sind Sie erleichtert? Oder eher wehmütig?
Maria Höfl-Riesch:
Ich bin glücklich, so wie es ist. Und ich freue mich auf die Zeit in den USA, ich werde alles ohne Druck und Stress verfolgen.
Wenn Sie die Augen schließen und an die „Raptor“-Piste von Beaver Creek denken – ist Ihnen die Ideallinie noch präsent?
Ich denke schon, ja. Aber für mich lief es dort voriges Jahr nicht besonders gut (Platz sieben in der Abfahrt; d.Red.). Insofern lasse ich das lieber (schmunzelt).
Vor wenigen Wochen wurden Sie noch einmal zu Deutschlands „Sportlerin des Jahres“ gewählt. Was bedeutet Ihnen dies?
Es war der perfekte Abschluss meiner Karriere, zumal sie für Wintersportler nicht so einfach zu erreichen ist.
Über die Kür bei den Männern ist nach der Preisverleihung ausgiebig diskutiert worden. Ihr Kommentar wurde als Kritik an Sieger Robert Harting ausgelegt. Sind alle Unstimmigkeiten inzwischen ausgeräumt?
Es gab keine Unstimmigkeiten, Robert sah es genauso. Es ging ja nicht darum, dass ich ihm die Auszeichnung nicht gegönnt hätte, sondern darum, dass ein Olympiasieg in einer Wintersportart offenbar weniger zählt als ein EM-Titel in einer Sommersportart. Ich glaube, so ziemlich alle im Saal waren der Meinung, es haben sich auch andere Athleten so zur Wahl geäußert. Nur wurde meine Aussage hochgepusht und teilweise falsch wiedergegeben. Gesagt hatte ich: „Es ist ein Armutszeugnis für den Wintersport, wenn trotz der Olympiasiege ein Sommersportler gewählt wird.“ Geschrieben wurde aber: „Höfl-Riesch nennt Hartings Wahl ein Armutszeugnis.“ Manche brauchen halt reißerische Überschriften.
Was meinen Sie denn mit „Armutszeugnis“ im Zusammenhang mit Wintersport?
In dem Sinne, dass er nicht so wertgeschätzt wird. Ich meine: Es standen Olympiasieger zur Wahl! Ich kenne viele von ihnen. Nette, lustige, sympathische Kerle. Aber vermutlich sind sie für einige Medien nicht genug Typ. Robert Harting hingegen ist ein Typ.
Wer als Leistungssportler wahrgenommen werden will, muss sich inszenieren?
Das ist ein schmaler Grat. Das kann super ankommen – oder das Gegenteil bewirken. Man muss ein Gefühl für das rechte Maß haben. Wer das zum Beispiel super drauf hat, ist Felix (Neureuther, d.Red.). Er sagt manchmal Sachen, bei denen ich im ersten Moment staunend denke: Das kann er doch jetzt nicht bringen, oder? (lacht) Aber er tut es mit einem Lächeln, und die Leute lachen mit. Die finden das gut.
Felix Neureuther hat offenbar einen exzellenten Masterplan.
Nein, glaube ich nicht, er ist so. Wer sich auf Krampf zu inszenieren versucht, der wirkt nicht authentisch. Dem Publikum lässt sich auf Dauer ohnehin nichts vormachen.
Wer oder was erhebt einen Athleten zum Star? Die Sportler oder die Medien?
Ich denke, es ist eine Kombination aus beidem. Basis dafür ist sicherlich der sportliche Erfolg, dazu kommen solche Dinge wie Charisma und Natürlichkeit.
Sie selbst haben sich nach dem Karriereende im März keine Auszeit gegönnt. Haben Sie denn nicht das Bedürfnis, mal auf Abstand zu gehen zum Skizirkus?
Na ja, die ganze Trainingsreiserei den Sommer über ist schon mal weggefallen. Aber die ersten Jahre nach der Karriere sind wichtig, um etwas für die Zukunft anzuschieben. Diese Chance möchte ich nutzen.
Wie begegnen Ihnen ehemalige Kolleginnen heute?
Das Verhältnis gerade zu denen, die meine größten Konkurrentinnen gewesen sind, ist total entspannt geworden. Mit Marlies Schild oder Lindsey Vonn habe ich mich – bis auf das bekannte „Intermezzo“ mit Lindsey vor einigen Jahren – immer gut verstanden.
Wurde die Annäherung an Vonn einfacher, weil Sie keine Rivalinnen mehr sind?
Ach, das war vor meinem Rücktritt schon alles wieder geklärt. Den Ärger, den wir mal hatten, haben wir ausgeräumt nach ihrer Scheidung. Da Lindsey nach der WM 2013 lange verletzt gewesen war, haben wir uns allerdings in den vergangenen zwei Jahren kaum gesehen. Im Frühjahr 2014 habe ich sie einmal in Florida besucht.
Haben Sie Vonns neuen Freund, Golfstar Tiger Woods kennengelernt?
Ja. Er ist freundlich, sympathisch, aber er drängt sich niemandem auf.

