Anderthalb Minuten waren im Pokalspiel der Füchse-Frauen gegen den SV Union Halle-Neustadt noch zu spielen, als Spreefüxxe-Trainer Lars Melzer noch einmal eine Auszeit nahm. Die Partie war bereits gelaufen, die Gastgeberinnen führten mit vier Toren Vorsprung, doch Melzer wollte seiner Mannschaft die Gelegenheit geben, diesen historischen Moment noch etwas länger auskosten zu können.
Denn der 30:26-Sieg über Zweitligist Halle-Neustadt bedeutete für den Bundesliga-Aufsteiger den erstmaligen Einzug in das Final-Four-Turnier des Pokalwettbewerbs. „Das ist der größte Erfolg der weiblichen Klubgeschichte“, sagte Spreefüxxe-Managerin Britta Lorenz nach dem Spiel. „Ein Riesending“, meinte Lars Melzer. Den Schwung wollen die Handballerinnen nun auch in die Liga mitnehmen. Schon am Dienstag wartet dort auswärts mit Champions-League-Teilnehmer HC Leipzig die nächste große Herausforderung.
Ehe der Sieg feststand, mussten die Berlinerinnen allerdings 60 Minuten lang hart kämpfen. Zwar lagen die Spreefüxxe nie in Rückstand, konnten sich ihrerseits aber auch nicht entscheidend absetzen. Immer wieder ließ man die Gäste herankommen, so dass sich die knapp 500 Zuschauer in der Sporthalle Charlottenburg schon an das Achtelfinal-Spiel gegen den SVG Celle erinnert fühlten, als die Füchse-Frauen nach zwischenzeitlich hoher Führung am Ende erst mit dem letzten Wurf gewannen.
Zeitweise merkte man der Mannschaft gegen den Zweitligisten an, dass sie seit sechs Wochen kein Pflichtspiel mehr absolviert hatte und in der Vorbereitung auf dieses Pokalspiel durch zahlreiche Krankheiten und Verletzungen geschwächt worden war. Jüngste Hiobsbotschaft war der Kreuzbandriss von Rückraumspielerin Anna Blödorn Mitte der Woche; zudem war Kreisläuferin Frida Tegstedt nach einer Lebensmittelvergiftung noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Die Schwedin spielte trotzdem und steuerte fünf Tore bei. Nur ihre Landsfrau Daniela Gustin war mit acht Treffern noch erfolgreicher.
„Der Sieg hätte gerne noch ein bisschen deutlicher ausfallen können. Aber Halle hat sehr stark gekämpft und wir haben zu viele Chancen vergeben“, urteilte Füchse-Spielmacherin Alexandra Sviridenko, die ebenfalls fünfmal traf. Teamkollegin Anna Eber pflichtete ihr bei: „Es war ein Kampfspiel, ein typischer Pokalfight.“ Die Schiedsrichter verhängten etliche Zwei-Minuten-Strafen, so dass beide Teams stellenweise nur noch zu viert auf dem Feld waren. Gerade in dieser Phase zeigte sich die größere Cleverness der Spreefüxxe. „In den entscheidenden Momenten hat man den Klassenunterschied dann eben doch gemerkt“, so Nationalspielerin Laura Steinbach.
Beim Finalturnier am 16./17. Mai sind die Spreefüxxe nun Außenseiter. Der Ausrichter steht noch nicht fest, nur dass es einer der Halbfinalisten sein wird – der VfL Oldenburg, der Thüringer HC oder der Buxtehuder SV. Berlin selbst wird sich nicht bewerben. Lorenz: „Die Auflagen sind zu hoch. Das finanzielle Wagnis ist zu groß.“

