Per Skjelbred schlurfte durch die Katakomben der Frankfurter Arena und ließ den Kopf hängen. Herthas norwegischer Mittelfeldspieler wusste, dass es sein kapitaler Schnitzer war, der die Berliner zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde gegen Eintracht Frankfurt auf die Verliererstraße gebracht hatte, und er nahm die Schuld auf sich: „Das war mein Ding“, sagte Skjelbred mit traurigen Augen. „Schade, dass wir durch so ein Scheißtor verlieren.“

36 Minuten waren gespielt in der Partie des Tabellensechsten gegen die abstiegsbedrohten Hessen, da flog ein hoher Ball kurz hinter der Mittellinie auf Skjelbred zu. Der 25-Jährige zögerte kurz und schlug dann am Spielgerät vorbei. Plötzlich war die weit aufgerückte Hertha-Abwehr entblößt und Frankfurts Torjäger Alexander Meier hatte keine Mühe, allein vor Thomas Kraft im Berliner Tor zum 0:1 einzuschießen. Es war die Schlüsselszene, die eine umkämpfte und phasenweise ruppige Partie am Ende für die Frankfurter entschied. Hertha verliert nach vier Spielen ohne Niederlage und zuletzt drei Siegen in Folge erstmals wieder eine Ligapartie. Eine Partie, die niemals hätte verloren gehen müssen, und die nach Abpfiff noch für reichlich Gesprächsstoff sorgen sollte.

Bis auf Tolga Cigerci konnte Herthas Cheftrainer Jos Luhukay auf seine Stammelf der Hinrunde zurückgreifen. Den Deutsch-Türken im zentralen, defensiven Mittelfeld ersetzte Peter Niemeyer, der in der Vorbereitung auf die Rückrunde einen starken Eindruck hinterlassen hatte. Damit kam er zu seinem Startelfdebüt in dieser Spielzeit.

Hertha begann ballsicher und angriffslustig. Frankfurt wirkte von Beginn an nervös und leistete sich zahlreiche Fehlpässe im Spielaufbau. Nach 13 Minuten hatte Sami Allagui, der noch beim fulminanten 6:1 im Hinspiel zwei Tore erzielen konnte, eine Doppelchance zur Führung für Hertha. Erst verpasste er eine Hereingabe von Skjelbred um eine Zehenlänge. Dann streifte sein Flachschuss knapp am Frankfurter Pfosten vorbei. Es war der Bundesliga-Aufsteiger, der den ersten Durchgang deutlich dominierte, ohne sich allerdings viele Chancen herausspielen zu können. Frankfurt, der Europa-League-Teilnehmer, dem vor eigenem Publikum zuvor in dieser Saison noch kein einziger Sieg gelungen war, wirkte gehemmt. Erst der Fehler von Skjelbred brachte das Team von Trainer Armin Veh überhaupt ins Spiel. „Wir hatten eigentlich alles unter Kontrolle. Frankfurt hatte nur eine einzige Chance, und die haben wir ihnen aufgelegt“, sagt Linksverteidiger Johannes van den Bergh nach Abpfiff. Mit einem 0:1-Rückstand stapften die Berliner kopfschüttelnd in die Halbzeitpause.

Luhukay wechselte zehn Minuten nach der Pause und brachte den Brasilianer Ronny für den schwachen Nico Schulz. An der mangelnden Durchschlagskraft der Blau-Weißen aber konnte auch er nichts ändern. Frankfurt zog sich nun immer weiter zurück in die eigene Hälfte und verlegte sich aufs Kontern. Hertha fand vor 41.600 Zuschauern keine Lösungen gegen die dicht gestaffelte Eintracht-Elf. Auch dann nicht, als Luhukay mit Sandro Wagner einen zweiten Stürmer aufs Feld schickte.

Hertha hätte dennoch die große Chance zum Ausgleich bekommen müssen, als Adrian Ramos im Strafraum den Ball vorlegte und von Frankfurts Abwehrchef Carlos Zambrano nur mit einem Ellenbogen-Schlag gestoppt werden konnte. Schiedsrichter Jochen Drees verweigerte trotzdem den Elfmeterpfiff, was Luhukay nach der Partie in Rage brachte: „Das geht gar nicht: Erst schlägt Zambrano mit dem rechten Arm, dann auch noch mit dem linken. Das war ein hundertprozentiger Elfmeter.“ Auch Abwehrspieler Sebastian Langkamp schimpfte: „Zu Zambrano muss man gar nichts mehr sagen. Das ist ein Spieler, der mit solchen Mitteln arbeitet. Jeder hat das gesehen, nur der Schiedsrichter nicht.“ Der Gescholtene selbst gab sich kleinlaut: „Ich glaube, ich habe meinen Ellenbogen nur gegen den Hals geschoben, um ihn abzuwehren.“ Dass auch das strafwürdig gewesen wäre, verschwieg der Peruaner.

Am Ende blieb es bei der unglücklichen Niederlage für die Blau-Weißen, auch weil sie sich zu wenige zwingende Chancen herausspielen konnten. Hertha bleibt allerdings zumindest über Nacht auf Tabellenplatz sechs, könnte aber am Sonntag noch von Schalke überholt werden. „Heute haben wir eine bittere Niederlage einstecken müssen“, sagte Luhukay, der mit seinem Team in einer Woche auf den wiedererstarkten 1. FC Nürnberg trifft. „Da versuchen wir, das wieder gerade zu biegen.“

Für Per Skjelbred gab es dann noch aufmunternde Worte: „Per hat hervorragende sechs Monate bei uns gespielt. So ein Fehler passiert jedem einmal“, sagte van den Bergh. Trösten konnte dies den Pechvogel dennoch nicht.