Zlatan Ibrahimovic kontra Lionel Messi. Das teuerste Missverständnis in der Geschichte des FC Barcelona gegen den unbezahlbaren viermalige Weltfußballer: Bereits das erste Duell von Paris St. Germain gegen den Titelfavoriten Barcelona im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League heute Abend (20.45 Uhr/Sky) steht im Zeichen von zwei der populärsten und spektakulärsten Torjäger der Welt.
Das Drehbuch hätte die Europäische Fußball-Union (Uefa) nicht besser schreiben können, indem ihre Berufungskommission eine Sperre für Ibrahimovic wegen groben Foulspiels eine Woche nach der Auslosung von zwei auf ein Spiel reduzierte. „Ibra“ kann nun doch zum großen Duell mit Messi auflaufen – die Uefa drückte damit auf ihre Art den Partien zwischen den souveränen Tabellenführern der Primera Division und der Ligue 1 ihren Stempel auf.
Kein Wunder, dass die spanischen Medien derzeit an die kurze, aber schlagzeilenträchtige Barca-Ära von Ibrahimovic erinnern. Denn im Juli 2009 wechselte der schwedische Nationalspieler nach wochenlangen Verhandlungen zum damals amtierenden Champions-League-Sieger, Pokalsieger und spanischen Meister. Im Gegenzug erhielt Inter Mailand Samuel Eto’o und etwa 50 Millionen Euro. Gesamtwert des Transfers: rund 75 Millionen Euro.
Doch Ibrahimovic entpuppte sich schnell als Fehlgriff. Der exzentrische Stürmer, in Barcelona mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet, enttäuschte, verlor den internen Kampf gegen Messi klar. Er verließ Barca nach nur einer Saison voller Differenzen mit Trainer Pep Guardiola mit großem Getöse in Richtung AC Mailand. Der Gesamtverlust von Barcelona beim Ibrahimovic-Transfer wurde anschließend auf 37,2 Millionen Euro beziffert.
Inzwischen zählt Ibrahimovic zu den bestverdienenden Fußball-Profis auf dem Globus und soll Paris St. Germain zum zweiten Sprung ins Halbfinale der Königsklasse verhelfen. „Auf ihm lastet im Hinblick auf unser Projekt ein enormer Druck“, sagte Teamkollege Thiago Silva. „Ibra ist der beste Torschütze der Meisterschaft. Er ist ein Typ, der hart arbeitet und Einsatz zeigt. Er hat uns mental stark gemacht.“
Neben Zlatan Ibrahimovic stehen in Thiago Motta und Maxwell zwei weitere ehemalige Profis des FC Barcelona in den Reihen der Franzosen, die, finanziell gepuscht von einer Investment-Gruppe aus Katar mit Klub-Präsident Nasser Al-Khelaifi, den ganz großen Coup im europäische Fußball planen. Dennoch herrscht vor Barcelona großer Respekt.
Franzosen mit guter Bilanz
„Neben Real Madrid ist Barca der Favorit auf den Titel. Sie haben unglaubliche Qualitäten – aber wir werden sie schon ärgern“, sagte PSG-Coach Carlo Ancelotti. Sportdirektor Leonardo sieht die Spiele als Standortbestimmung: „Wir dürfen uns mit eine der besten Mannschaften der Welt messen.“
Aber auch Barcelona gibt sich im verbalen Geplänkel vor dem Anpfiff optimistisch, obwohl die Franzosen seit sechs Jahren in 23 Heimspielen (zuletzt 2:4 im November 2006 im Uefa-Pokal gegen Hapoel Tel Aviv) im Europacup ungeschlagen sind. Auf der Bank wird nach zweimonatiger Krebsbehandlung in den USA wieder Trainer Tito Vilanova sitzen.
„PSG ist ein schwerer Gegner, aber ich glaube, wir haben Glück bei der Auslosung gehabt“, sagte Barcelonas Jordi Alba. Sportdirektor Andoni Zubizarreta erwartet auf jeden Fall ein sehr enges Spiel. „PSG hat klasse Spieler mit großen Qualitäten. Mit ihrer Erfahrung in solch hochkarätigen Begegnungen werden sie uns bis zur letzten Sekunde fordern. Sie sind immer stark, wenn es um etwas geht, und sie haben einige Spieler in ihren Reihen, die wir sehr gut kennen.“
Während Barca die sechste Halbfinal-Teilnahme in Folge fest im Visier hat, erinnern sich die Franzosen in diesen Tagen nur allzu gern an die Viertelfinalspiele gegen die Katalanen vor 18 Jahren. Im Wettbewerb 1994/95 siegte Paris damals nach einem 1:1 in Barcelona zu Hause mit 2:1 und zog in der Königsklasse erstmals in die Runde der letzten Vier ein.
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