Ihren wissenschaftlichen Doktortitel hat Annette Schavan endgültig abgeschrieben. Auf ihrer Internetseite erklärt die ehemalige Bundesbildungsministerin, dass sie auf Rechtsmittel gegen das Urteil des Düsseldorfer Verwaltungsgericht und damit auf den Doktorgrad verzichtet. Einen Doktortitel darf sie dennoch führen, wenn auch mit dem Zusatz „h.c.“. Die Universität zu Lübeck hat Schavan am Freitag die Ehrendoktorwürde verliehen – nicht für wissenschaftliche Leistungen, sondern für Verdienste um die Universität und die Medizin. Diesen Doktortitel kann ihr keiner mehr nehmen. Dafür, dass die Universität Lübeck Schavan die Ehrendoktorwürde verleiht, hat die Hochschule viel Kritik und auch hämische Kommentare einstecken müssen. Von einer Ohrfeige für das Gericht und die Uni Düsseldorf war die Rede. Dabei war Schavan die Ehrendoktorwürde bereits im Januar 2012 zuerkannt worden. Damit sollten ihre Verdienste im Kampf um den Erhalt der Universität Lübeck gewürdigt werden.

Im Sommer 2010 hatten Studierende, Professoren und Lübecker Bürger gegen die Pläne der Landesregierung gekämpft, die Medizinerausbildung zu streichen. Schavan trug zur Rettung der Universität bei, indem sie dem Land aus Bundesmitteln 25 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich für die Forschung zusagte.

„Nicht Schavan hat die Uni gerettet, sondern die vielen Menschen, die damals auf die Straße gegangen sind und für den Erhalt protestiert haben“, sagte die Lübecker AStA-Vorsitzende Maren Janotta am Freitag. Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der schleswig-holsteinischen SPD, Ralf Stegner, sprach von einer peinlichen Provinzposse. „Mit ihrer Intervention für die Lübecker Uni im Jahr 2010 hat Frau Schavan nichts anderes versucht, als der CDU in Schleswig-Holstein aus der Patsche zu helfen. Das ist gründlich schiefgegangen. Mit Ehre hat das alles ganz gewiss nichts zu tun“, sagte er am Freitag.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hatte Anfang der Woche gefordert, dass der Akademische Senat noch einmal über die Ehrung Schavans nachdenken solle. Doch der Akademische Senat blieb bei der damals einstimmig gefassten Entscheidung: Annette Schavan wird neunter „Doktor h.c.“ der Universität zu Lübeck.

Derweil trat Schavan von ihrer Honorarprofessur am Seminar für Katholische Theologie der Freien Universität Berlin (FU) zurück. In einem Brief bat Schavan die FU, sie als Honorarprofessorin zu verabschieden. „Die Freie Universität Berlin wird diesem Wunsch nachkommen“, sagte ein FU-Sprecher.

dpa