Mit der Sommerhitze kommen die Gewitter. Und mit den Gewittern kommen die Mücken. Es war jedes Mal ein wenig aufregend, Opa zuzusehen, wie er ruhig und geduldig die Glut einer Zigarette für ein paar Sekunden wenige Millimeter über seinem Handrücken oder über andere Körperstellen hielt. Wird er sich diesmal verbrennen? Warum machte er das bloß?

Es war seine ganz persönliche Therapie gegen den Juckreiz der Mückenstiche. Nicht dass es, wie man vermuten könnte, schön ist, wenn der Schmerz nachlässt - verbrannt hat sich Opa dabei nie. Er hatte sogar eine halbwegs einleuchtende Erklärung für sein Vorgehen. "Durch Hitze werden die Zellen der Eiweiß-Moleküle zerstört und damit die Histamine deaktiviert, die den Juckreiz verursachen." Oder so ähnlich. Aber es hilft. Man darf vorher nicht am Mückenstich reiben oder kratzen und damit das Mückengift gleichmäßig unter der Haut verteilen, sondern sollte den Stich auch im heißesten Sommer sofort erhitzen.

Opas abenteuerliche Methode mit der Zigarettenglut ist zwar wirksam, es geht aber weniger dramatisch. Die Spitze eines zuvor durch die eigene Flamme angeheizten Einwegfeuerzeugs oder die Unterseite einer heißen Kaffeetasse sind genauso gut. 50 bis 60 Grad reichen völlig aus und sind auch noch unterhalb der Schmerzgrenze. Im Handel sind bereits kleine Geräte erhältlich, die aussehen wie eine Kombination aus Kugelschreiber und Lötkolben - aber Hitze lässt sich auch billiger auf einen Stich bringen.

Für besonders hartnäckige Fälle empfiehlt Opa ein anderes Hausmittel: Salmiakgeist, im Labordeutsch auch Ammoniumhydroxid genannt. Ein paar Tropfen mit einem Papiertaschentuch oder einem Q-Tip aufgebracht, wirken Wunder. Salmiakgeist ist in Apotheken erhältlich - am preiswertesten dort, wo man selbst abfüllt. Vorsicht: Die Flüssigkeit ist ätzend und riecht, bei Zimmertemperatur entfernt, nach Lakritz erinnert. Genau der Geruch ist Opas Tipp zur Abwehr von Wespen.

Am besten ist es selbstverständlich, dafür zu sorgen, erst gar nicht von Mücken gestochen zu werden. Nach allerlei Experimenten mit Pflanzen und Kräutern pflanzte Opa einfach zwei Tomatensträucher zwischen all die Zierpflanzen auf der Terrasse. Die mögen Mücken offenbar überhaupt nicht. Tomatenpflanzen sind auch für Menschen giftig, nur die Früchte sind essbar. Im Haus stellte Opa ein paar Zitronengeranien (Pelargonium odoratissimum) auf. Die Anti-Mückenpflanze ist hübsch und äußerst wirksam.

Von nun an wurde niemand mehr im Haus oder auf der Terrasse gestochen, Opas Zigarettenglut wurde nicht mehr gebraucht.

Der Berliner Journalist Dieter Grönling, Autor des Buches "Drin sein ist alles" (Herder Spektrum), gilt als genauer Kenner des Internets. Dennoch hält er nicht alles Alte für überholt - und hat daher die Haushaltstipps seines Großvaters gut aufgehoben.