Ihr Markenzeichen ist die schwarze Brille, ihre Stimme ist für viele die Stimme Griechenlands. Am heutigen Montag wird Nana Mouskouri 80 Jahre alt. Vor einer Woche ist die Sängerin im Admiralspalast aufgetreten. Wir haben sie zum Gespräch getroffen.
Berliner Morgenpost:
Wollen wir das Interview auf Deutsch führen? Oder ist es besser, wenn wir Englisch sprechen?
Nana Mouskouri:
(Sie antwortet auf Deutsch.) Deutsch ist eine schöne Sprache, ich kann sie auch lesen, aber wenn es um wirklich wichtige Dinge geht, dann kann ich mich besser ausdrücken. (Sie wechselt zu Englisch.) Ich habe immer so viele Sprachen im Kopf, da muss ich dann so oft improvisieren.
Ihren Song „Weiße Rosen aus Athen“ – auf Deutsch gesungen – haben Sie in Berlin aufgenommen.
Ein Produzent hat den Song für eine deutsche Dokumentation über Griechenland aufgenommen, zumindest mit dem deutschen Text. Das Lied selbst stammt von einem griechischen Komponisten. Diese Dokumentation sollte auf der Berlinale laufen und so war es dann auch. Dort gefiel er so gut, dass man einen deutschen Text gemacht hat. Und so wurden die weißen Rosen geboren und in viele Sprachen übersetzt.
Erinnern Sie sich noch an den Tag, an dem Sie das Lied hier produziert haben?
Ja, und zwar, weil mein Gepäck verloren gegangen ist – was übrigens auch gestern wieder passiert ist. Man konnte damals nicht von Athen direkt nach Berlin fliegen, sondern wir mussten in Frankfurt umsteigen. Und da ist mein Gepäck dann wohl liegen geblieben. Also war das erste, was ich in Berlin gemacht habe, der Kauf einer Zahnbürste.
Wissen Sie noch, wo das Studio war?
Eigentlich war es kein echtes Studio, sondern wir haben das Lied im Ballsaal des alten „Hotel Esplanade“ aufgenommen. Das Mikrofon stand auf der Bühne. Die Akustik war ganz besonders da. Das war, glaube ich, Ende 1961. Und von dem Hotel aus konnte ich die Mauer sehen, das war schon eine ziemlich skurrile Situation für mich. Ich war 24 Jahre alt und musste an die vielen jungen Menschen in meinem Alter denken, deren Leben durch diese Trennung massiv eingeschränkt war. Und ich habe mir da für sie gewünscht, dass es diese Mauer irgendwann nicht mehr gibt.
Und wie haben Sie den Mauerfall vor 25 Jahren erlebt?
Ich war damals auf Tour in den USA, weshalb ich nicht gleich Berlin besuchen konnte. Aber ich bin in den letzten Jahren oft bei Jubiläumsfeiern zum Mauerfall hier gewesen.
Gibt es einen deutschen Sänger oder eine Sängerin, mit der Sie gerne mal zusammen singen würden?
In der Vergangenheit habe ich das viel gemacht. Zuletzt mit Till Brönner zum Beispiel. Ich habe auch schon mit Udo Jürgens und Udo Lindenberg gesungen.
Sie sind mit Ihrer „Happy Birthday Tour“ unterwegs, sind vorvergangenen Sonnabend im Admiralspalast aufgetreten. Wird das Ihre letzte Tour sein?
Ich habe schon eine Abschiedstour vor einigen Jahren gemacht. Aber ich dachte mir: Wieso soll ich zu Hause rumsitzen, wenn ich viel lieber auf einer Bühne stehen würde? Besonders, wenn es darum geht, 80. Geburtstag zu feiern. Und jetzt feiere ich ihn nicht an einem Abend, sondern ein ganzes Jahr lang. Den Tag meines Geburtstags feiere ich in Hamburg, der letzte Stopp der Tour.
Sind die Fans in Deutschland anders?
Jedes Land hat ein anderes Publikum. Ich habe viele Auftritte in Berlin gehabt, auch in der Philharmonie oder im Friedrichstadtpalast. In Deutschland ist meine Karriere aber eigentlich erst richtig gestartet, ich habe meinen Fans hier viel zu verdanken und freue mich jedes Mal, wenn ich wiederkommen darf – und es ist auch so schön, dann wirklich meinen 80. Geburtstag in Deutschland feiern zu dürfen. Ich habe hier meine loyalsten Fans. Ich fühle mich sehr heimisch hier.
Wann wussten Sie, dass Sie Sängerin werden möchten?
Ich habe schon als Kind den Traum gehabt, auf der Bühne zu stehen. Niemand kann einem sagen, wie man guter Musiker wird. Das geht Stück für Stück, irgendwann wusste ich, dass ich nichts anderes machen möchte als Musik.
Ein harter Weg?
Naja, aber alles im Leben ist hart. Man bekommt nichts geschenkt. Erfolg kommt nicht von allein.

