Es ist 4.20 Uhr, als dieser Donnerstagmorgen für Andreas Gabalier in Wien beginnt. Der österreichische Schlagersänger ist für eine Stippvisite nach Berlin geflogen, um sein Konzert in der Waldbühne am 4. Juli zu bewerben. Noch am Nachmittag geht es für den 29-Jährigen weiter nach Frankfurt. Es bleibt gerade genug Zeit für einen Kaffee am Flughafen Tegel und ein paar Fragen über sein Leben zwischen „Musikantenstadl“ und Rock’n’Roll.

Berliner Morgenpost:

Ist das heute ein typischer Tag in Ihrem Leben?

Andreas Gabalier:

Gott sei Dank nicht. Das Schöne an meinem Beruf ist ja, dass er sehr viel Abwechslung in den Alltag hinein bringt. Kein Tag ist wie der andere, das kommt mir sehr entgegen. Heute ist eben Promotion-Tag. Und alle Medien kommen nicht an einen Punkt, also reise ich kreuz und quer durchs Land. Das ist viel Programm, aber auch sehr in meinem Sinne. Ich bin nämlich ein großer Freund von Freizeit. Deshalb gebe ich mir ein paar Tage die geballte Ladung, damit ich dann wieder frei habe.

Wie verbringen Sie diese Freizeit?

Ich hatte gerade seit Weihnachten zum ersten Mal frei. Da war ich Skifahren, sporteln, habe viel geschlafen und mit meinen Freunden den einen oder anderen Kasten Bier vernichtet. Einfach bei mir zu Hause in der alten Studentenwohnung das Leben im alten Stil genießen.

Sie wohnen immer noch in Ihrer alten Studentenwohnung in Graz?

Ja, das sind 60 Quadratmeter, und ich habe die Wohnung damals mit meinem ersten Geld gekauft. Ich fühle mich dort sehr wohl und habe dort einfach mein altes Leben als „Andy“, nicht als Andreas Gabalier.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Berlin?

Berlin ist mehr oder weniger meine zweite Heimat. Ich verbringe, außer zu Hause, an keinem Ort so viel Zeit wie hier. Wir haben von Anfang an alles am Potsdamer Platz produziert. Wir fangen jetzt bald wieder mit dem neuen Studioalbum an.

Wo wohnen Sie dann?

Direkt über dem Studio. Da gibt es alte Wohnungen. Das ist das Haus der Hansa Studios, dort sind einige Studios drin und im oberen Stock gibt es seit den 60er-Jahren Zimmer für die Künstler, die dort produzieren. Das ist schön, weil man nach der Arbeit einfach nur die Treppen hoch muss und nicht um drei Uhr nachts noch in ein Hotel fahren muss.

Was gefällt Ihnen an der Stadt?

Ich mag das kulturelle Angebot und die Leute. Das ist schon ein bisschen Familie geworden. Ich habe mittlerweile auch meine vertrauten Kneipen, wo ich immer wieder hingehe. Da gibt es an der Köthener Straße einen Italiener, dann das „Tony Roma’s“ zum Rippchen essen und das „White Trash“ auf ein Bierchen. Ich bin gerne in der Stadt. Man ist hier sehr anonym. Das geht zu Hause nicht mehr.

Für viele Deutsche sind Sie das lebende Klischee. Nervt Sie das?

Nein, ich finde das lustig, weil manche Menschen wirklich denken, dass es bei uns nur Berge gibt. Das Klischee trägt ja auch zu meinem Erfolg bei und ist ein großer Teil von mir. Ich bin bei meinen Großeltern auf dem Land aufgewachsen, bin parallel dazu in der Stadt zur Schule gegangen und dann in Graz geblieben. Ich liebe diese Mischung und die Möglichkeit, mich manchmal auf 3000 Meter zurückzuziehen. Zu Oma und dem alten Kitsch. Trotzdem ist die Zeit bei uns ja nicht stehen geblieben.

Sie spielen also nicht nur eine Rolle und sind privat eigentlich ganz anders?

Nein, ich bin kein Roy Black, der eigentlich lieber Johnny Cash gewesen wäre. Das bin ich. Ich schreibe die Lieder selber, das sind so Spinnereien aus meiner Vergangenheit, viele schöne Erinnerungen. Aber auch aktuelle Geschichten, eben mit einem Augenzwinkern und der nötigen Portion Zeitgeist produziert. Ich glaube, das ist auch das Geheimnis, dass es eben nicht nur „Musikantenstadl“-Humtata ist, sondern eine moderne Machart aus Berlin, verbunden mit traditioneller Musik aus Österreich.

Bei Ihren deutschen Fans sind Sie aber sicher eher der Exot als in Österreich?

Ja, vielleicht schon. Ich glaube, viele Deutsche verbinden damit Urlaub und Freizeit und vielleicht auch ein bisschen eine heile Welt, nach der sie sich ab und zu sehnen. Und dann packen bei meinen Konzerten auch schon mal die coolen Kreuzberger die Lederhose aus.

Sie fühlen sich im „White Trash“ genau so zu Hause wie im „Musikantenstadl“?

Ja, klar. Ich bin mir nie für irgendwas zu schade. Ich war auf Mallorca, ich war im „Musikantenstadl“ und ich war bei „TV Total“. Klar ist es bei Carmen Nebel ein bisschen altbacken, das verfolgt schon einen roten Faden. Daran ändert auch jemand wie Helene Fischer nichts. Genau so, wie das „White Trash“ eben nie Volksmusik spielen würde. Das ist schon gut so, sonst würden wir ja alle das Gleiche machen. Und ich nehme eben alles mit. Es gibt immer einen Teil des Publikums, der mag, was ich mache.

Brechen andere junge Künstler wie Helene Fischer das auch auf oder sind die mehr im Schlager verwurzelt?

Ich denke, Helene Fischer ist da schon sehr drin. Sie ist klassischer Schlager, aber eben toll inszeniert. Ich war schon bei zwei Konzerten von ihr und sage: Hut ab. Vor allem, was sie da akrobatisch leistet. Damit hebt sie sich megamäßig ab. Noch dazu ist sie ein fescher Hase. Das ist schon was anderes, als wenn eine 60-Jährige „Atemlos“ singt.