Die Jury der zweiten Berlin Art Week (17.–22.9) hätte wohl kaum besser besetzt sein können: Kasper König – legendärer Direktor des Kölner Ludwig-Museums, der seinen nicht sehr ruhigen Ruhestand auch in Berlin genießt. Dazu Monica Bonvicini – in Berlin lebende Künstlerin, die mit ihren Skulpturen ungewöhnlichere Themen wie Fetisch und Sado-Maso aufgreift. Und schließlich Claudia Wahjudi – Berliner Kunstjournalistin mit vorbildlicher Szene-Kenntnis. Am Mittwoch kamen die drei zusammen, um die zehn „temporären Projektpartner“ vorzustellen, die sie für die Berlin Art Week ausgewählt hatten.
„Temporäre Projektpartner“, das klingt wie „Projekträume“ oder „Projekte“ – also wie die selbstorganisierte, chronisch unterfinanzierte Arbeitssituation, die sich in städtischen Freiräumen spontan entwickelt und über die Jahre so zum größten Berlin-Kultur-Klischee geworden ist. Die Assoziation stimmt jetzt nur zum Teil: Denn einige der nun ausgewählten Projektpartner arbeiten schon seit 1989 in der Stadt und die Hälfte wird öffentlich gefördert.
Ausgewählt wurden auch zwei kommunale Galerien: Die Galerien Nord in Moabit und die Galerie M in Marzahn. An beiden Orten wird man sich zur Art Week unter dem Titel „Exotika“ dem Begriff des Fremden widmen. Dann gibt es zwei Räume, die an Berliner Unis angedockt sind: Die Kleine Humboldt Galerie in Mitte und die Kunsthalle am Hamburger Platz der Kunsthochschule Weißensee. Dort wird eine Gruppenschau mit dem vielversprechenden Titel „Verliebte Künstler“ zu sehen sein. Die senatsgeförderte Künstlerinneninitiative „Goldrausch“ zeigt dagegen in der kommunalen Galerie im Neuköllner Körnerpark die aktuellen Stipendiatinnen.
Die kommunalen Galerien hätten ein „Schmuddelkinder“-Image, erklärt Wahjudi. Die Jury hätte zeigen wollen, dass diese ein gutes Programm machen. Allerdings hat man das Gefühl, dass die frei organisierte Kunstszene Berlins unterrepräsentiert ist. Etwas Versöhnung bieten Initiativen wie „after the butcher“ in Lichtenberg, das „Autocenter“ (Leipziger Straße), wo unter anderem der gerade sehr angesagte Kölner Maler David Ostrowski zu sehen ist. Bei vielen freien Projekten sei es ein Problem gewesen, dass sie noch kein Programm für September hatten, sagte Bonvicini. Wenn es nichts zu wählen gibt, hat auch die beste Jury keine Wahl.

