Nur durch die Wände betretbar, ist dies ein Ort, an dem die Gesetze der Physik versagen und die Ereignisse das logische Denken verhöhnen. 20 Geschichten des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe dienten Wolfram Moser als Vorlage für sein viktorianisches Psychodrama „Das Geheimnis des Doktor Templeton“, das Regisseur Herbert Olschok am Theater im Palais uraufgeführt hat.

Die zentrale Figur ist Lord Roderick Usher (Martin Spengler), dessen krankhaft übersteigerte Sinneswahrnehmung mit der Sehschwäche seines Gastes und dramaturgischen Gegenparts Napoleon Bonaparte Froissart (Jens-Uwe Bogadtke) kontrastiert. Spengler verkörpert den dahinsiechenden, zwischen Schuldgefühlen und der Faszination für Gräueltaten hin- und hergerissenen Hausbesitzer. Bogadtke spielt mit erfrischender Komik den Durchschnittsbürger: etwas eitel und unbedacht, mit dem Willen zum Guten, aber unter Umständen auch in der Lage, das Böse zu unterstützen.

Die Geschichte seiner durch eine Sehschwäche begünstigten Leidenschaft für eine 82-jährige Französin sorgt inmitten der Rekonstruktion mehrerer Morde für Heiterkeit und lässt die Atmosphäre des Gruselig-Gespenstischen kurzzeitig zugunsten des Komisch-Grotesken kippen. Ergänzt wird das Duo durch Lord Ushers Amme (Ursula-Rosamaria Gottert) – eine energische Halbtote mit Sinn für Humor – und die mit einer göttlichen Geduld spukende Seele der ermordeten Madeline Usher (Sibylla Rasmussen). Ein schaurig-schöner Abend – ganz im Sinne von Edgar Allen Poe.

Theater im Palais Am Festungsgraben 1, Mitte. Karten: 20 10 693. Termine: 21. Oktober um 16 Uhr; 21. & 22. November um 20 Uhr