Keine große Party. Ein kleiner, improvisierter Sektempfang zwischen maroden Eisenstützen auf der Hinterbühne muss genügen. Schließlich wird ja lediglich Georg Quander verabschiedet, der Mann, der neben Daniel Barenboim elf Jahre lang das große Staatsopernschiff auf internationalen Kurs gebracht hat. Er hat sich stets als stiller, solide arbeitender Copilot gesehen. Ohne ihn hätte es an der Staatsoper keinen Barockopernzyklus gegeben. Ohne ihn gäbe es wahrscheinlich heute auch kein Staatsopernballett mehr. Barenboim hat den Feiertermin kurzfristig anberaumt, direkt nach der letzten «Cosi fan tutte»-Aufführung des Mozartfestes, vor seiner Abreise nach Chicago.

Kultursenator Thomas Flierl (PDS) dankt in seiner kurzen Ansprache für die Zusammenarbeit: «Die Staatsoper hat ihre Position gefestigt und ausgebaut unter Ihrer Leitung.» Er verspricht auch, an der Betriebssicherheit des morschen Hauses zu arbeiten.

Daniel Barenboim spricht von der Euphorie und Enttäuschung, die nach dem Mauerfall auf beiden Seiten herrschte. «Die Aufgabe, Ost und West zusammenzubringen, war Ihre Aufgabe und Ihr großes Verdienst. Das Fundament wurde von Ihnen mitgestaltet - oder sogar gestaltet», gibt der Generalmusikdirektor zu. Er erinnert sich an «viele sehr lustige Momente», in denen die Beiden zusammen gelacht haben und überreicht Quander einen «bescheidenen Blumenstrauß».

An diesem Abend wurde nicht so viel gelacht. Quander und Barenboim posierten für ein paar letzte Fotos. Dann verabschiedete sich der Intendant von den Mitarbeitern des Hauses, während der Dirigent mit Pierre Boulez plauderte, der heute und morgen zwei Staatskapellen-Konzerte leitet. Nach einer halben Stunde zog er sich zurück, schließlich hatte er einen langen Mozart-Abend hinter sich und musste noch Koffer packen.

Georg Quander sagte Prost: «Auf die glückliche Zukunft des Hauses» - die Barenboim von der kommenden Spielzeit an mit dem neuen Intendanten Peter Mussbach gestaltet. Als die erfreulichste Erfahrung der letzten elf Jahre bezeichnet er im Gespräch mit der Berliner Morgenpost «die Einsatzbereitschaft der Menschen hier am Haus.» Und die schlimmste Erfahrung? «Die Konzeptlosigkeit der Politiker in dieser Stadt - egal, aus welcher Partei sie kommen», antwortet Quander.

In Zukunft wird Georg Quander als Honorarprofessor weiter seine Kulturmanagement-Studenten in Bremen betreuen und zusätzlich eine Operndramaturgie-Klasse an der Berliner Humboldt-Universität übernehmen. Weitere Pläne gibt es noch nicht. «Ich bin ja noch in die alltägliche Mühle der Staatsopernarbeit eingespannt und konnte noch gar nicht über die Zukunft nachdenken.» Er gönnt sich erst einmal ein Sabbatical.

Mit der Abschiedsfeier für Georg Quander endete auch das Mozartfest der Staatsoper mit einem der Kassenschlager des Opernhauses: Doris Dörries Interpretation von «Cosi fan tutte». Die wenig sinnreiche, aber in Leuchtfarben angepinselte, mit einem Schiebepuzzle ausgestattete und in die Flower-Power-Zeit versetzte Interpretation der Mozart-Oper der Filmregisseurin verfehlte ihre Wirkung nicht. Das Ensemble fühlte sich im musikalischen Action-Movie wohl.

Dorothea Röschmann setzte als Fiordiligi mit ihrer anrührenden Intensität für wenige Momente die Verkleidungsklamotte außer Kraft. Als Dorabella assistierte ihr Katharina Kammerloher. Hanno Müller-Brachmann und Werner Güra stellten ihre Bräute als stimmkräftige Zottelhippies auf die Probe. Auch Daniela Bruera als verschlagenes Putzmädchen und der wendige Oberzyniker Don Alfonso alias Carlos Chausson gefielen dem Publikum. Einhelliger Festapplaus.