John und Leon sind unruhige Kinder, ohne viel Konzentration und Ausdauer. Im Alltag fällt es den beiden Zehnjährigen oft schwer, sich länger als einen kurzen Moment für etwas zu interessieren. Auf dem Zadik-Lamahof bei Königs-Wusterhausen ist das anders. Um die Lamaherde einzutreiben, rennen die beiden Jungs klatschend über die Wiese. Wenn die Tiere das Klatschen hören, laufen sie in Richtung Stall. Dann breiten die beiden ein dickes Seil aus und rennen weiter, damit auch ja kein Tier entwischt. Dabei ist es gar nicht so einfach, die richtige Höhe zu halten und den richtigen Abstand zu finden. Doch alle Lamas sind schnell am Ziel.

"Vor einem Jahr hat das noch nicht funktioniert", erzählt Birgit Walter, Sozialarbeiterin in dem Kinder- und Jugenddorf, in dem John und Leon wohnen. "Durch die Lamas haben die beiden verstanden, dass ein Tier Verantwortung bedeutet, Pflege und Respekt braucht. Sie lernen die Körpersprache des Tieres zu respektieren und können das dann auch beim Menschen."

Auch beim Füttern der Tiere bleiben John und Leon konzentriert. Mit ihren weichen Lippen nehmen die Lamas ganz vorsichtig das Futter von den Kinderhänden. "Das kitzelt", ruft Leon und lacht. Lamazüchterin Anita Selig-Smith weiß genau, warum das soziale Lernen mit Lamas so gut funktioniert: "Lamas reagieren unmittelbar. Wenn Kinder nervös und unruhig sind, reagieren sie darauf, indem sie wegrennen. Das heißt, die Patienten müssen sich konzentrieren, sonst müssen sie mit den Tieren von vorn anfangen."

Nicht nur für Menschen mit ADHS sind Lamas in der tiergestützten Therapie eine Hilfe. Sehr gut geeignet sind sie auch für Autisten, da Lamas Distanztiere sind, die eigentlich nicht gestreichelt werden können. Damit das möglich ist, brauchen die Tiere ein spezielles Training. "Als Distanztiere lassen Lamas Autisten die Möglichkeit, sie in ihrem Tempo in ihre Welt zu lassen. Sie springen die Patienten nicht an", erklärt Anita Selig-Smith. Und da das Tier auch auf andere Menschen reagiere, nehme der autistische Patient über das Lama auch den Rest der Umwelt wahr. Mit ihren großen Augen wecken Lamas zudem Vertrauen und Neugier. So bauen sie sogar Brücken zu Menschen, die misshandelt worden sind oder an Depressionen leiden.

John und Leon können während einer Therapiestunde für die Lamas Wasser aus dem Brunnen pumpen oder die Tiere über die Wiese führen. Dabei üben die beiden immer mehr, ihren Bewegungsdrang zu beherrschen und auf die Bedürfnisse der Tiere einzugehen. Zwischendurch gibt es die Möglichkeit, im umliegenden Wald mit den Tieren zu wandern oder einen Hindernisparcours mit Hütchen und Stangen zu durchlaufen. Leon und John haben großen Spaß dabei. John verrät, was er an den Lamas mag: " Das sind schnelle Tiere, mit denen ich mich viel bewegen kann." Und deshalb laufen die beiden Kinder schon bald mit den haarigen Vierbeinern wieder über die Wiese.