Es ist der Traum vieler Kinder: Eine Geheimsprache haben, die die anderen nicht verstehen - vorzugsweise die Großen. Die Schriftstellerin und Journalistin Tanja Dückers hat sich eine solche ganz eigene Sprachwelt geschaffen. Allerdings erst als junge Frau, Anfang der Neunzigerjahre und aus einem ganz speziellem Grund: "Ich war noch Studentin und hatte einen sehr weiten Weg zur FU in Dahlem. Ich wohnte in Neukölln und die fixe Ringbahnverbindung gab es noch nicht. Ich wollte die täglichen zwei Stunden Fahrt zum Schreiben nutzen, schon damals betätigte ich mich literarisch. Aber es ist unmöglich, in der oft vollen U7 vom Hermannplatz bis zum Fehrbelliner Platz in Ruhe zu schreiben, ständig linst einem jemand über die Schulter, liest mit. Das fand ich sehr, sehr störend. Eine Geheimschrift muss her, dachte ich mir", verrät die 1968 in West-Berlin geborene Tanja Dückers. Auch auf ihrem Selbstbildnis finden sich diese geheimen Schriftzeichen, "Autumnisch" nennt sie sie. "Autumnisch kommt von dem englischen Wort autumn: Herbst. Ich bin im Herbst geboren, mag den Herbst gern und die Geheimschrift habe ich auch in einem Herbst erfunden. Inspiriert haben mich unter anderem astrologische und kabbalistische Zeichen, die hebräische, die griechische, georgische und armenische Schrift." Zu ihrem Selbstbildnis sagt sie: "Das Bild verrät etwas über meinen Wunsch nach Diskretion und nach künstlerischer Autonomie. Überhaupt nach meinem Wunsch, Dinge individuell zu gestalten und die Realität - in Teilen - für mich neu zu erfinden."