In sechs Metern Höhe auf einem Sessel am Pariser Platz sitzend hat man bestimmt eine andere als die gewohnte Sicht auf Berlins Prachtmeile Unter den Linden zwischen Brandenburger Tor und Schlossplatz. Doch darum geht es dem Aktionskünstler Armel Réau, der die Riesensessel-Plastik dort aufstellen lässt, nicht. "Mit dem Rücken zum Brandenburger Tor in Richtung Schlossplatz ist das Individuum auf dem Sessel umgeben von seiner bürgerlichen Freiheit", erklärt Réau.
"RefleCity" heißt die aus insgesamt neun Elementen bestehende Großinstallation, die der 34-Jährige, gesponsert von der Firma McKinsey, derzeit aufbaut. "Die Besucher sollen darüber nachdenken, warum und auch wie sie etwas tun", sagt der Franzose. So konfrontieren großformatige Plakate die Passanten mit ihren Wünschen und Wertvorstellungen.
Nur einen Steinwurf vom Sessel entfernt versperrt ein vier Meter hohes Klo den Weg. "Ich will die Aufmerksamkeit auf das Problem der Abfallbeseitigung richten", sagt der in Peking geborene Künstler. Wenige Schritte weiter stehen drei Container im Weg. Die TV-Show Big Brother lässt grüßen. Nach diesem Kulturschock richtet der Künstler mit einem Phantasietier das Interesse der Besucher auf die Natur. Am Denkmal Friedrichs des Großen provoziert der studierte Architekt Passanten mit den Fragen: "Was soll und was darf ich glauben?" Dem Thema Perspektive widmet sich Armel Réau mit seiner Plastik vor der Staatsoper.
Eine 22 Meter hohe Bambuskonstruktion auf dem Schlossplatz vollendet das Gesamtkunstwerk. Sprichwörtlich im letzten Augenblick ist dem Künstler die Idee gekommen, die einzelnen Elemente der Installation miteinander zu verbinden. "Mehr als 150 chinesische Lampions entlang der Promenade weisen den Weg", sagt Réau.
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