Auch drei Tage nach ihrer Entdeckung konnte die Frauenleiche aus dem Treptower Park noch nicht identifiziert werden. Die von der Berliner Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion ist inzwischen erfolgt, über das Ergebnis schweigt sich die Behörde allerdings aus. „Ermittlungstaktische Gründe“ nannte Justizsprecher Martin Steltner als Begründung. Darüber hinaus teilte er lediglich mit, die Tote habe offenbar bereits mehrere Tage im Wasser gelegen, bevor sie gefunden wurde.
Spaziergänger hatten die Tote am Sonnabendvormittag in einem Gebüsch am Spreeufer in unmittelbarer Nähe eines Liegeplatzes für Hausboote entdeckt und die Polizei alarmiert. Da die „Auffindesituation“ auf ein Gewaltverbrechen hindeutete, übernahm noch am selben Tag die dritte Mordkommission die weiteren Ermittlungen wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes. Konkrete Hinweise auf den oder die Täter gibt es bislang ebenfalls noch nicht.
Identifizierung extrem schwierig
Dass die unbekannte Tote mehrere Tage im Wasser lag, erschwert die Ermittlungen nicht unerheblich. Gerade bei Wasserleichen gestaltet sich die Identifizierung besonders schwierig. Anhand des Aussehens ist sie nahezu ausgeschlossen, auch Fotos der Leiche können aus nahe liegenden Gründen nicht veröffentlicht werden. „Eine Besonderheit an Wasserleichen ist, dass sie häufig kein Gesicht mehr haben“, sagte dazu ein Gerichtsmediziner.
Derzeit arbeitet die Mordkommission unter anderem eng mit der Vermisstenstelle zusammen. Jeder Hinweis auf eine als vermisst gemeldete Frau könnte die Beamten weiterbringen. Auch im Umfeld des Fundortes wurden bereits intensive Befragungen durchgeführt, eine heiße Spur hat sich allerdings noch nicht ergeben. Darüber hinaus setzen Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei weiterhin darauf, dass es doch noch möglich sein wird, die Identität der Toten zu ermitteln. In der Rechtsmedizin würden dazu weitere Untersuchungen angestellt, wann mit einem Ergebnis zu rechnen sei, könne allerdings noch nicht gesagt werden, hieß es am Montag aus Ermittlerkreisen.
Angesichts der Schweigsamkeit von Staatsanwaltschaft und Polizei zum Fall der unbekannten Toten aus dem Treptower Park war in den vergangenen Tagen in den Medien wiederholt von einer Nachrichtensperre die Rede. Den Begriff würde er nicht verwenden, sagte Justizsprecher Martin Steltner. Es gehe ausschließlich darum, kein Täterwissen an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.
Genauso gingen die Behörden im Fall der Mitte Mai am Bahnhof Wuhletal getöteten 18-jährigen Hanna K. sowie nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Israeli in einer Klosterruine in Mitte vor. „Und der Erfolg hat uns recht gegeben, beide Male konnte der Täter schnell gefasst werden“, sagte ein Ermittler.

