Wochenlang debattierte Deutschland im Sommer 2012 über die rituelle Beschneidung von kleinen Jungen. Erst ein Gesetz schuf Klarheit – und erlaubte weiterhin einen Brauch, der zum religiösen Selbstverständnis von Juden und Muslimen gehört. „Haut ab!“ – unter diesem Namen will nun das Jüdische Museum Berlin dem jahrtausendealten Ritual mit einer Ausstellung auf den Grund gehen.
In die Kritik an der Beschneidung mischen sich immer wieder antisemitische und antiislamische Vorurteile, wie Programmdirektorin Cilly Kugelmann sagte. Das Museum will die Debatte allerdings nicht weiterführen. Vielmehr soll die Schau am Beispiel von religiösen Objekten, Dokumenten und Filmen dazu beitragen, dass über dieses Thema ohne Ressentiments gesprochen wird. Letztendlich gehe es um die Frage, wie eine Gesellschaft, die sich als pluralistisch versteht, mit kulturellen Differenzen umgeht. Schon zu Beginn der Ausstellung wird auf einer Weltkarte deutlich, dass die Beschneidung weit verbreitet ist. Rund 30 Prozent der Männer leben ohne Vorhaut, neben den islamischen Ländern in Asien und Afrika auch im christlich geprägten USA.
„Auf Messers Schneide“ – auf einem Podest mit der Form einer Klinge präsentiert die Ausstellung Menschengestalten verschiedener Kulturen: Ob bei den alten Ägyptern, den australischen Aborigines oder dem modernen Menschen – Körpereingriffe gehörten zur Tradition, wie Kuratorin Felicitas Heimann-Jelinek sagt. Besonders problematisch ist das Thema für das Christentum. Wie konnte der als Jude geborene Jesus Christus am achten Tag beschnitten und dann zum (unbeschnittenen) Erlöser werden? Diese Frage beschäftigt die Kirchen bis heute, wie der Theologe Thomas Lentes im Katalog schreibt. Weniger Probleme mit der Beschneidung haben dagegen die Anarcho-Jungs der US-Serie „South Park“. Im „Resonanzraum“, wo das Thema mit Beispielen aus Film und TV beleuchtet wird, flimmern sie über den Monitor. Wenn durch den kleinen Eingriff der „Feuerwehrmann“ größer erscheint, hätten sie dagegen nichts einzuwenden.
dpa

