Josefine Botha arbeitet zurzeit meist von zu Hause aus. Im Büro sitzt sie nur fünf Stunden die Woche. Oft ist dann Töchterchen Eloise dabei, die gerade mal ein halbes Jahr alt ist. Für sie gibt es in Mamas Firma einen Wickeltisch, Spielsachen und eine Extra-Raum, in dem sie gefüttert werden oder auch mal schlafen kann. Nicht selten sind dort auch andere Kinder, deren Eltern an einer Teambesprechung teilnehmen wollen oder schnell etwas erledigen müssen.
Botha ist Familienbeauftragte im Personalbüro des Computerspieleherstellers Wooga, der 260 Mitarbeiter beschäftigt, darunter viele junge Familien. Die Firma gehört zu den drei Berliner Unternehmen, die 2014 den Landeswettbewerb für familienfreundliche Unternehmen gewonnen haben. Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD) war am Montag vor Ort, um sich ein Bild von den besonderen Angeboten bei Wooga zu machen.
Botha sagt, dass sie sich um alles kümmert, was Eltern brauchen, um Arbeit und Familie gut miteinander vereinbaren zu können. Sie hilft bei der Suche nach einem Kita- oder Schulplatz, organisiert Müttergruppen und Mitarbeitertreffen, vermittelt Beratung und Babysitter und ist jederzeit ansprechbar, wenn es Probleme gibt. Mitarbeitern, die ein Kind bekommen, übergibt sie ein Starterpaket mit Firmenstrampler und Gutschein für erste Anschaffungen und zwölf Tagen kostenloser Kinderbetreuung pro Jahr.
Das Konzept von Wooga scheint aufzugehen. Im vergangenen Jahr waren es 13 Babys, deren Mutter oder Vater in der Firma arbeiten, in diesem Jahr werden es 17 sein. „Wir bieten sehr flexible Arbeitszeiten an, die Kollegen können von überall aus arbeiten, sie müssen nicht immer an ihrem Platz im Büro sitzen“, sagt Botha. Jeder werde individuell unterstützt. Botha, 28, ist das beste Beispiel: Sie hat zwei Töchter, ihren Job in der Personalabteilung, nebenher studiert sie Wirtschaftspsychologie. Das sei nur in einem Unternehmen möglich, das sich in besonderem Maße um Familien kümmert, sagt sie.
Beruf und Familie vereinbaren
Als besonders familienfreundlich wurden in diesem Jahr auch der Pflegeservice MOBImed aus Treptow-Köpenick sowie die Koch Sanitätshaus GmbH mit Sitz in Neukölln ausgezeichnet. Beide Firmen sind ebenfalls in besonderem Maße darum bemüht, dass ihre Mitarbeiter Familie und Beruf gut vereinbaren können. Ihre Angebote reichen von individuellen Arbeitsverträgen über die Ferienbetreuung für Kinder bis zur Unterstützung von Kollegen, die ihre Angehörigen pflegen müssen. Das Koch Sanitätshaus übernimmt für alleinerziehende Mitarbeiter die Kosten für Tagesmütter oder Babysitter, wenn es mit der Betreuung mal eng wird.
Senatorin Scheeres sagt, dass Berlin dringend gut ausgebildete Fachkräfte brauche. „Die kommen nur, wenn sich noch viel mehr Unternehmen Familienfreundlichkeit auf die Fahnen schreiben.“

