An heißen Sommertagen wie diesen mit der Bahn an die Ostsee oder zu den Brandenburger Gewässern fahren – das ist im Moment nicht unbedingt eine Empfehlung. Die Regionalexpresszüge auf den Linien RE2 (Berlin–Wismar über Spandau) und RE3 (Berlin-Stralsund über Bernau) und RE5 (Berlin–Rostock/Stralsund über Oranienburg) sind oft schon völlig überfüllt, bevor sie überhaupt am Stadtrand angekommen sind. Wer da, vielleicht gar noch mit Kinderwagen oder Fahrrad, zusteigen will, hat wenig Chancen. Alternativen gibt es kaum, denn die Deutsche Bahn hat schon vor Jahren ihr Fernzug-Angebot von Berlin in Richtung Küste kräftig ausgedünnt. Einzig nach Rostock und nach Binz auf Rügen fährt ab und an noch ein ICE oder IC. Hinzu kommt lediglich der private InterConnex, der einmal am Tag bis nach Warnemünde rollt. Bleibt vielen nur der Umstieg in den Privat-Pkw oder den Fernbus, um zu den Ostseebädern im Norden zu gelangen.
Nur an wenigen Tagen gefragt
Daran wird sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern. Trotz der stetig steigenden Nachfrage werde die Deutsche Bahn keine zusätzlichen Züge zwischen Berlin und der Ostseeküste fahren lassen, sagte der für Personenverkehr zuständige Bahn-Vorstand, Ulrich Homburg, der Berliner Morgenpost. „Die Nachfrage beschränkt sich auf einige wenige Tage im Jahr. Angebote nur für diese Tage sind für ein Unternehmen, wie wir es sind, wirtschaftlich nicht darstellbar.“ Homburg verwies auf die knappen Kapazitäten in der Fernverkehrssparte. Weil die Hersteller neue ICE- und IC-Züge nicht wie bestellt ausliefern, herrscht schon seit Jahren Fahrzeugmangel im Fernverkehr. „In einer solchen Situation können wir nicht auch noch Fahrzeuge nur für saisonale Spitzen bereithalten“, sagte Homburg und schloss den Einsatz von Zusatzzügen an den Sommer-Wochenenden aus.
Zugleich verwies er auf die Zuständigkeit der Bundesländer, die Aufgabenträger für den Nahverkehr seien. Zusätzliche Platz-Kapazitäten etwa für die Fahrradmitnahme in den Regionalexpress-Zügen müssten von diesen bestellt und bezahlt werden. Die Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hatten erst 2012 den Betriebsauftrag für die Nord-Süd-Linien RE3 und RE5 mit einigen Verbesserungen neu vergeben. Auf beiden Linien erhöhte sich die Zahl der im Sommer eingesetzten Doppelstockwagen von vier auf fünf, in den modernisierten Waggons wurde zudem mehr Platz für Fahrräder geschaffen. „Der Tages- und Wochenendausflug an die Küste wird für die Berliner mit dem verbesserten Angebot jetzt noch mal deutlich attraktiver“, erklärte Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD) damals. Für viele Ausflügler klingt das inzwischen wie ein Hohn. Die Berliner Chefin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Eva-Maria Scheel, kündigte an, Tour-Empfehlungen für Brandenburg aus dem Programm zu nehmen, weil nicht sicher sei, ob die Radfahrer mit der Bahn zu den Startorten hin- und von den Zielen wieder zurück nach Berlin kommen. Sehr zum Ärger märkischer Gastronomen und anderer Dienstleister.
Susanne Henckel, Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), sieht indes die Deutsche Bahn in der Pflicht. „Die Strecken zwischen Berlin und der Ostsee sind klassische Fernverkehrsverbindungen. Das vorhandene Angebot reicht in der Sommerzeit nicht aus. Hier fehlt ein attraktives, schnelles Taktangebot im Fernverkehr“, sagte sie. Nach der Einstellung der Interregio-Züge durch die Bahn könnten die von den Ländern bestellten Regionalexpresslinien lediglich ein Grundangebot im Nahverkehr sichern.
Positive Aussagen gab es von der Deutschen Bahn zum künftigen S-Bahn-Betrieb in Berlin. „Wir sind sehr davon überzeugt, ein wettbewerbsfähiges Angebot abgeben zu können“, sagte Bahn-Vorstand Ulrich Homburg der Berliner Morgenpost. Er kündigte zudem den raschen Abschluss eines Übergangsvertrages mit dem Berliner Senat an. Dieser soll sicherstellen, dass Züge aus Alt-Baureihen 480 und 485 modernisiert werden, damit sie auch über 2017 hinaus fahren können. Die dringend benötigten Neubau-Fahrzeuge für die Berliner S-Bahn seien realistisch nicht vor 2020/2021 zu erwarten, so der Bahnvorstand. Die Länder Berlin und Brandenburg hatten im Vorjahr den Betrieb der wichtigen Ringbahn- sowie von drei Zubringerlinien ab Dezember 2017 europaweit ausgeschrieben. Nach anfänglichem großen Interesse selbst im fernen Asien sollen sich aktuell nur noch wenige Eisenbahnverkehrsunternehmen aktiv am Verfahren beteiligen.
Konzern macht Gewinn
Nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bahn im ersten Halbjahr 2014 wieder leicht zugelegt. Der Gewinn nach Steuern stieg um 15,9 Prozent auf 642 Millionen Euro. Die Zahl der Bahnfahrten stieg insgesamt um ein Prozent auf den Rekordwert von 1,06 Milliarden, wie Vorstandschef Rüdiger Grube am Donnerstag in Berlin sagte.
Einbußen gab es indes im eigenwirtschaftlich betriebenen Fernverkehr, die Zahl der Reisenden sank gegenüber 2013 um 0,5 Prozent auf 62,2 Millionen Fahrgäste. Zu schaffen macht der Bahn dabei allerdings die Konkurrenz der Fernbusse. Beim Nahverkehr, der von den Bundesländern bestellt wird, gab es hingegen ein deutliches Plus von 1,3 Prozent. Laut Grube hat sich die Bahn bei der Pünktlichkeit verbessert. 81 Prozent aller Fernzüge und 96 Prozent der Nahverkehrszüge seien im ersten Halbjahr 2014 nach Plan gefahren.

