Angriffe auf Personen mit Waffen, Schlagstöcken, Messern und gefährlichen Gegenständen sowie Fußtritte gegen die Opfer werden als schwere und gefährliche Körperverletzung bezeichnet. Die Opfer erleiden bleibende gesundheitliche Schäden. Deshalb schauen viele Berliner besonders genau auf diese Delikte und darauf, ob sie sich in ihrem Kiez häufen. Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg gab es im Jahr 2013 (808 Fälle) eine Zuwachsrate von 9,9 Prozent. Sogar der in diesem Bereich ohnehin zweitgefährlichste Bezirk Berlins, Friedrichshain-Kreuzberg, hatte im vergangenen Jahr einen erneuten Anstieg von 3,9 Prozent auf 1437 Fälle zu verzeichnen. 2012 wurden dort 1383 Fälle registriert. Allerdings ist laut Kriminalstatistik dieses Delikt in Berlin insgesamt, bereits seit 2010, rückläufig.

Anders als die Polizeiliche Kriminalitätsstatitik (PKS) macht der Kriminalitätsatlas durch die präzisere räumliche Zuordnung der Straftaten Veränderungen in einzelnen Kiezen deutlich. Zu den negativen Beispielen von Wohngebieten mit stark steigenden Fallzahlen zählen etwa die Bereiche Schöneberg Süd (plus 25,2 Prozent mehr Fälle von schwerer/gefährlicher Körperverletzung), Tempelhof (plus 20,2) und der Norden Schönebergs (plus 10,2 Prozent). Der Norden Schönebergs, also Wohngebiete südlich des Nollendorfplatzes und entlang der Potsdamer Straße, hatte bereits 2012 im Bezirk die höchste Belastung und wurde im Vorjahr erneut deutlich gefährlicher. All das belegt der Kriminalitätsatlas 2014, der am Montag offiziell vorgestellt wird und der Berliner Morgenpost bereits vorliegt.

In Friedrichshain sind es die Kieze Nördliche und Südliche Luisenstadt, die mit drastischen Zunahmen von 25,5 und 44,2 Prozent mehr erfasster Fälle in diesem Deliktfeld innerhalb eines Jahres seit 2013 als zunehmend unsicher gelten müssen. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist laut dem Atlas die Nördliche Luisenstadt bezirksweit am stärksten belastet. Auch der Bereich Karl-Marx-Allee Süd mit einer Fallzunahme von 17,1 Prozent trübt die Bilanz des Bezirks, der laut Kriminalitätsatlas in allen anderen Kiezen deutlich besser abschneidet. Die Gründe dafür können mit dem vielfältigen Nachtleben, hoher Touristenfrequenz und zahlreichen Veranstaltungsorten in den Absteiger-Kiezen allein wohl kaum erklärt werden. Speziell im Stadtteil Tempelhof können die genannten Attribute für den alarmierenden Zuwachs nicht geltend gemacht werden.

Berlinweit sind dagegen mit 10.341 Fällen schwerer Körperverletzung immerhin 7,1 Prozent weniger Taten als 2012 verübt worden. So ist positiv festzustellen, dass Mitte zwar auch 2013 noch die höchste Belastung aller Bezirke aufweist. Doch die Abnahme schwerer Körperverletzungen um 16,8 Prozent auf 1966 kann durchaus als Erfolg gewertet werden. Ein Grund dafür könnte die deutlich verstärkte Polizeipräsenz nach dem Tod von Jonny K. in November 2012 sein. Sie wurde kurz nach dem Gewaltexzess gegen den 20-Jährigen umgesetzt. Im Bereich Alexanderplatz ist im Jahr 2013 ein Rückgang um 22 Prozent der Fälle gegenüber dem Vorjahr ermittelt worden. Wurden dort 2012 insgesamt noch 454 schwere und gefährliche Körperverletzung verübt worden, waren es ein Jahr später genau 100 Fälle weniger. In Mitte gab es zudem in Tiergarten-Süd (minus 23,7 Prozent), dem Zentrum von Wedding (minus 20,0) und im östlichen Moabit (minus 17,0) deutlich weniger körperliche Übergriffe als 2012.

Nach absoluten Zahlen werden außer in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg nur in Neukölln mehr als 1000 solcher Straftaten im Jahr begangen. 2013 stellte die Polizei 1191 Fälle fest, was einer Abnahme von 6,4 Prozent entspricht. Am gefährlichsten sind dort die Kieze im Norden, nach absoluten Zahlen die Neuköllner Mitte (237 Fälle), der Bereich der Schillerpromenade (218) sowie der Kiez rings um die Reuterstraße (182). Doch im Neuköllner Zentrum gab es im Vorjahr gegenüber 2012 einen Rückgang um 18,2 Prozent.