Vorne der ehemalige Hafen, hinten das Tegeler Fließ: Am Donnerstag fand der erste Spatenstich zur Bebauung der Humboldt-Insel statt, die sich von der Sechserbrücke in Richtung Karolinenstraße erstreckt. „Das ist ein wichtiger Tag für Reinickendorf, schließlich geht es nicht nur darum, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, sondern auch darum ein Areal zu erschließen, das förmlich danach schreit“, erklärte Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU).

Die Martrade Immobilien GmbH & Co. KG wird bis 2016 fünf verschiedene Haustypen auf dem Eiland bauen. In den vier Floating-Häusern, acht Steg-Doppelhäusern, fünf Doppelhäusern, vier Stadtvillen und dem geplanten Wasserapartmenthaus werden 78 Wohnobjekte entstehen. Trotz der hohen Preise von 3400 bis 4900 Euro pro Quadratmeter sind 50 Prozent der Objekte bereits verkauft oder fest reserviert.

Ursprünglich wurde die 16.800 Quadratmeter große Insel als Bahngelände der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) genutzt, die Anlage diente der Erschließung des Tegeler Hafens, der 1908 eröffnet wurde. Anschließend kamen die Kleingärtner, die dort in den 20er-Jahren ihre Gärten anlegten. Als die Insel dann zum Verkauf stand, wollten die Kleingärtner diese selbst kaufen, doch die NEB lehnte dies ab, und die Gärten mussten ab 2007 geräumt werden. Der letzte Laubenpieper verließ erst im März dieses Jahres kurz vor dem Abriss sein Gartenhaus.

Einschließlich der 78 Wohnobjekte entstehen nun rund um den Tegeler Hafen insgesamt 200 neue Wohnungen: Drei neue Häuser und ein Seniorenzentrum entlang der Karolinenstraße neben der Humboldt-Bibliothek sind bereits bezogen. Und während nebenan auf der Tegeler Insel die Gebäude schon vierstöckig in den Himmel ragen, geht es auf der Humboldt-Insel erst einmal in die Tiefe: „Wir beginnen mit dem unterirdischen Parkhaus“, sagte Architekt Werner Baumhauer. Der „Bauboom“ kommt jedoch nicht bei jedem gut an. „Zu massiv“ ist es der Reinickendorferin Barbara Kruppa. „Den freien Ausblick gibt es dann nicht mehr“, sagt sie. Der Investor hat aber immerhin zugestimmt, dass es einen kleinen Trost für die Tegeler gibt: Die zusätzlich gestaltete 616 Meter lange Parkanlage rund um die Häuser wird öffentlich zugänglich sein.