Eine Asiatin greift im Supermarkt in einen fremden Rucksack. Ein dunkelhäutiger Mann fischt einer älteren Dame im Kaufhaus die Geldbörse aus der Tasche. Ein Video mit diesen Szenen unter dem Titel „Vorsicht Diebe – so schützen Sie Ihr Weihnachtsgeld!“ lief bis vor einigen Tagen in den Berliner U-Bahnen, auf den Bildschirmen in den Wagen. Die folgende Kritik an der Polizei war groß. „Der Film erweckt den Eindruck, dass die Berliner Polizei Menschen, die nicht-deutscher Herkunft sind, als Täter vorführen will, und stellt diese Personengruppe damit unter Generalverdacht“, sagte Hakan Taș, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Es sei schade, dass unnötig Klischees bedient werden, bekräftigte Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Grünen. „Als ob nur weiße Omis Opfer von Taschendiebstählen werden und als ob alle Täter ein vermeintlich ausländisches Aussehen hätten.“ Canan Bayram, Sprecherin für Integration der Berliner Grünen, erklärte die interkulturelle Öffnung der Berliner Polizei als gescheitert. Die Polizei entschied sich nun im Angesicht der Kritik, die „Anregungen aufzunehmen“ und das Video noch einmal zu überarbeiten. „Künftig sollen auch Menschen ohne ausländische Wurzeln zu sehen sein“, sagte der Sprecher der Polizei Stefan Redlich. Zunächst hatte die Polizei zwei Wochen nicht auf die Kritik der Türkischen Gemeinde, der Grünen und der Linken reagiert.

Die Szenen sind nicht etwa gestellt, es sind Originalaufnahmen aus Überwachungskameras. Der Film war auch bis vor zwei Wochen auf der Homepage der Berliner Polizei zu sehen. Allerdings handelt es sich um Szenen, die schon vor vielen Jahren, nämlich 1999, aufgenommen wurden. Polizeisprecher Redlich sagte, es sei nie die Absicht gewesen, mit dem Video Vorurteile zu transportieren. Er betonte: „Die Originalaufnahmen zeigen besonders deutlich, wie Diebe vorgehen.“ Durch „einen Kommunikationsfehler“ sei das ältere Video nun während der Präventionswoche der Polizei wieder in den U-Bahnen gezeigt worden. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik gibt es in Berlin eine Zunahme von Taschendiebstahl um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für dieses Jahr erwartet die Polizei erneut steigende Zahlen. Welche Nationalität die Täter haben, wird nicht erfasst, zumindest dann nicht, wenn die Taschendiebe älter als 21 Jahre sind. Der Migrationshintergrund wird nur bei jugendlichen Tatverdächtigen erfasst.