Die Entwicklung der Zuzüge aus Südosteuropa stellt den Bezirk Neukölln vor große Probleme. Das geht aus dem 3. Roma-Statusbericht hervor, den die Verwaltung am Freitag veröffentlicht hat. Demnach steigt die Zahl der zuziehenden Roma im Bezirk weiter an. Ausgehend von den angemeldeten Gewerben und den Schülern, rechnet der Bezirk damit, dass derzeit etwa 10.000 Zuzügler aus Rumänien und Bulgarien in Neukölln leben.
Das Gewerbeamt hat im Februar etwa 3000 rumänische und bulgarische Gewerbetreibende registriert. Ein Jahr zuvor waren es noch etwa 2400 Gewerbe. Dabei handelt es sich um Tätigkeiten im Baubereich, im Reinigungs- und Transportgewerbe sowie in der Gastronomie.
Brisante Themen sind laut Bericht vor allem bezahlbarer Wohnraum, Bildung und Gesundheitsvorsorge für die Zugezogenen. „Wir müssen jetzt klären, wie wir künftig mit dem Thema Obdachlosigkeit umgehen“, sagt Franziska Giffey (SPD), Bildungsstadträtin von Neukölln. Derzeit gebe es in Neukölln noch keinen zentralen Ort, wo sich wohnungslose Südeuropäer unter freiem Himmel niederlassen. Es wird vermutet, dass sie in Kellern, Fluren oder Dachböden Zuflucht finden. Zudem würden Privatvermieter Wohnungen in unzumutbaren Zuständen an die Familien vermieten. Zu den Mängeln gehörten Schimmel, fehlende Heizmöglichkeiten und auch fehlende Müllbehälter. In solchen Fällen müsse die Aufklärung verstärkt werden, dass sich die Mieter wehren können gegen solche Zustände.
Von 802 Schülern 54 Analphabeten
An den Neuköllner Schulen gibt es derzeit 27 Kleinklassen, in denen Kinder ohne oder mit sehr geringen Deutschkenntnissen lernen. An mehr als der Hälfte aller Neuköllner Schulen lernen zudem Schüler aus Bulgarien und Rumänien in Regelklassen. Von den 802 Schülern aus diesen Ländern, die im Februar gezählt wurden, waren 54 Analphabeten. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Romakinder an den Schulen um 200 gestiegen. „Wir brauchen dringend zusätzliche Lehrer und Sprach- und Kulturvermittler, wenn wir den Kindern die Chance geben wollen, in der Schule zu bestehen“, sagt Franziska Giffey.
Vor allem in den Schulen müsse verhindert werden, dass sich Infektionskrankheiten ausbreiten. Durch fehlende Impfausweise und Sprachbarrieren ist es schwierig, den Impfstatus der zugewanderten Menschen festzustellen. An den Neuköllner Schulen wird deshalb in der kommenden Woche eine Impfaktion durch die Amtsärzte gestartet, bei der die Kinder eine Basisimmunisierung erhalten sollen. Zuvor wurde bei den Eltern eine Einwilligung eingeholt.
„Für die nötigen Hilfen brauchen wir finanzielle Unterstützung vom Bund und auch von der Europäischen Union“, sagt Franziska Giffey.

