Das Verdeck zurückschlagen, der Sonne entgegenfahren, Luft einsaugen. Am besten auf einer pittoresken Küstenstraße. Aber: Nur noch wenige Autofahrer erfüllen sich diesen Traum.
Seit Jahren sind die Neuzulassungen von Cabriolets in Deutschland rückläufig. Noch zur Jahrtausendwende gab es einen regelrechten Boom. Danach ging es bergab. Allein zwischen 2008 und 2014 brach der Absatz um mehr als 40 Prozent ein, nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) ging die Zahl von 131.000 Neuzulassungen auf 77.000 zurück.
Vor allem Modelle mit Stahldach sind eine dezimierte Spezies. Dass sich die Hersteller nun zum Teil wieder mehr dem klassischen Textilverdeck, gepaart mit einem Schuss Luxus, zuwenden, macht aus den Open-Air-Modellen keine Massenware. Doch die Modellvielfalt an offenen Autos ist nach wie vor gegeben. Passend dazu wird derzeit ein Klassiker neu aufgelegt, der einst die neue Lust an der Frischluft erzeugt hatte, als er 1989 auf den Markt kam: der Mazda MX-5.
Die vierte Generation des Roadsters verfeinert das bekannte Zweisitzer-Erfolgsrezept. Es bleibt beim Hinterradantrieb und einem temperamentvollen, nicht zu starken Saugmotor. Doch der Fahrspaß steigt, weil das Gewicht gesunken ist und der Radstand gekürzt wurde. Rund 23.000 Euro wird der MX-5 kosten, wenn er im Spätsommer auf den Markt kommt. Konkurrenz hat der Roadster aktuell kaum zu fürchten. Einziger Wettbewerber in Deutschland ist der Mini Roadster. Es ist derzeit jedoch ungewiss, ob er noch einmal aufgelegt wird. Ausgemachte Sache ist dagegen eine Fiat-Version des MX-5, die Mitte 2016 debütiert.
Cabriofahren ist auch eine Preisfrage. Wer einen mehr oder weniger klassischen Roadster sucht, muss daher in den gehobenen Segmenten schauen. Ein Sonderangebot ist dort zumindest in Anbetracht der Leistung der Nissan 370Z Roadster, der mit 328 PS für 33.150 Euro zu haben ist.
Großes Angebot teurer Autos
Kostspieliger sind die Modelle der Premiumhersteller. Audi verlangt für die aktuell günstigste Version seines gerade neu aufgelegten TT Roadsters mindestens 37.900 Euro (230 PS, Frontantrieb), wird allerdings günstigere und schwächere Varianten nachreichen.
Noch relativ frisch ist das 340 PS starke Jaguar-F-Type-Cabrio, das sich mit berauschendem Design und emotionalen Motoren vom Start weg in die Oberliga der offenen Traumwagen gespielt hat. Das britische Modell kostet aber ab 74.000 Euro.
Für 24.000 Euro weniger bekommt man bereits einen offenen Porsche: Der Boxster bietet mit 265 PS zwar weniger Motorleistung, kann beim Fahrspaß aber mithalten. Auch der 911er ist in zwei Frischluftversionen zu haben: Als klassisches Stoffdach-Cabrio (ab 350 PS, 103.150 Euro) und als Targa mit Überrollbügel (ab 109.338 Euro). Weniger kompromisslos auf Fahrdynamik ausgelegt sind zwei weitere prominente Vertreter des Segments, der Mercedes SLK und der BMW Z4, beide mit Stahlklappdach. Beim SLK reicht das Leistungsband von 184 PS (ab 39.359 Euro) bis 421 PS (ab 73.542 Euro), beim Z4 von 156 PS (ab 34.250 Euro) bis 340 PS (ab 57.900 Euro).
Auf die Spitze treibt das Konzept vom Luxus-Sportler der Mercedes SL, größer, stärker und teurer als sein kleiner Bruder mit dem nachgestellten K. Der Stahldach-Zweisitzer kostet bereits in der Einstiegsversion mit 333 PS mindestens 97.282 Euro, ist als 630 PS starker Zwölfzylinder aber auch für 238.833 Euro zu haben.
Für reiche Kunden gibt es noch mehr Auswahl: In der oberen Luxusklasse spielt etwa Bentley mit dem viersitzigen Continental GTC mit, der wahlweise mit V8- oder W12-Motor fährt und ab 187.068 Euro kostet. Bei Rolls-Royce gibt es das Topmodell Phantom als Drophead Coupé mit zwölf Zylindern für eine knapp halbe Million Euro.
Wer es teuer, aber sportlicher mag, greift vielleicht zum Lamborghini Aventador Roadster mit 700 PS (ab 357.000 Euro) oder zum 560 PS starken Ferrari California T (ab 184.000 Euro). Während das Angebot an Roadstern und ähnlichen offenen Sportwagen auch in hohen Preissphären gut gefüllt ist, ist das Portfolio der Open-Air-Alltagsautos geschrumpft. Vor allem die zahlreichen Stahldachmodelle wie Peugeot 308 CC oder Nissan Micra C+C sind nach dem Cabrio-Hoch wieder verschwunden.
VW Eos vor dem Aus
Mit dem VW Eos steht nun ein letzter Vertreter dieser Gattung vor dem Aus. Ersatz bieten die Wolfsburger aber schon seit vier Jahren mit dem Golf Cabrio mit Stoffmütze, das mit 24.500 Euro zu den erschwinglicheren Modellen auf dem Markt zählt. Etwas günstiger ist das technisch eng mit dem Golf verwandte Beetle Cabrio (ab 22.125 Euro).
Bewusst oberhalb der beiden norddeutschen Modelle hat Opel den Cascada positioniert, der zwar technisch auf dem kompakten Astra basiert, aber länger und edler gestaltet ist (ab 26.145 Euro). Preislich eher bei kompakten Premiummodellen wie Audi A3 Cabrio (ab 30.800 Euro) und BMW 2er Cabrio (vorläufig ab 35.350 Euro) einsortiert, konkurriert der Opel bei Abmessungen und Anmutung sogar eher mit Audi A5 Cabrio (ab 39.850 Euro), BMW 4er Cabrio (ab 43.200 Euro) und Mercedes E-Klasse Cabrio (47.838 Euro).
Unter den Kleinwagen gibt es keine Cabrios mehr. Ein paar Frischluftmodelle gibt es trotzdem – mit teilweise großem Rolldach. Wie den Fiat 500 C (ab 14.750 Euro). Aber den Anspruch an ein Cabrio erfüllen diese Autos nur unzureichend.

