„Wer keine Geduld hat, kommt nicht ans Ziel“, sagen die Chinesen. Ob sich die Stuttgarter Autofahrer von einem weisen Spruch trösten lassen, wenn sie wieder einmal im Stau feststecken? Wohl kaum. Denn Stuttgart ist die Stau-Hauptstadt Deutschlands. Im Durchschnitt dauert die Fahrtzeit dort ein Drittel länger, als es bei ungehindertem Verkehrsfluss möglich wäre. Im Jahresmittel stehen die Stuttgarter fünf Tage im Stau.
Das ist das Ergebnis des Stau-Index des Navigationsherstellers TomTom. Das niederländische Unternehmen hat die Verkehrsbelastung im zweiten Quartal dieses Jahr in mehr als 160 Städten weltweit ausgewertet. Die verwendeten Daten wurden anhand von GPS-basierten Messungen ermittelt.
Aber nicht nur in Stuttgart leiden die Autofahrer unter verstopften Straßen. Auch Berliner kennen sich mit Staus aus. Unzählige Baustellen und Sperrungen aufgrund von Veranstaltungen machen das Fahren in der Hauptstadt zu einem Albtraum. Die Auswertung der Daten hat ergeben, dass eine Fahrt, die normalerweise 30 Minuten dauern würde, aufgrund von Behinderungen im Durchschnitt acht Minuten länger ist. Am schlimmsten ist die Verkehrsbelastung montagsmorgens und freitagsabends. Diese extremen Ausschläge in der Statistik zeigen, dass viele Menschen am Wochenanfang nach Berlin kommen, um hier zu arbeiten, und am Ende der Woche die Stadt wieder in Richtung Heimat verlassen. Der Tag mit den heftigsten Staus in Berlin war Freitag, der 31. Mai. Für die Betroffenen mag es zwar kein Trost sein, doch im europäischen Vergleich haben es die deutschen Autofahrer noch verhältnismäßig gut. Spitzenreiter im Negativ-Ranking ist Moskau. In der morgendlichen Rushhour braucht man in der Hauptstadt Russlands 114 Prozent länger als bei fließendem Verkehr, im abendlichen Berufsverkehr sogar 133 Prozent länger. Also weit mehr als das Doppelte der Normalzeit.

