Die nordrhein-westfälischen Behörden wollten gegenüber Tunesien die Gefährlichkeit des späteren Berliner Attentäters Anis Amri verschweigen. Amri wurde nach Informationen dieser Redaktion von der Zentralen Ausländerbehörde Köln (ZAB) auf Anweisung des NRW-Innenministeriums bewusst so behandelt wie jeder gewöhnliche abgelehnte Asylbewerber. Das Ministerium habe im August 2016 „entschieden, dass die Passersatzpapier-Beschaffung auf normalem Wege ohne Hinweis auf den Gefährderstatus beantragt werden soll“, erklärte eine Sprecherin der Stadt Köln in einer schriftlichen Antwort. Die Papiere waren für eine Abschiebung Amris nach Tunesien notwendig.
Ein Sprecher von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) bestätigte die Anweisung: „Von einem Hinweis auf den Gefährderstatus gegenüber den tunesischen Behörden versprachen wir uns keine Beschleunigung der Passersatzpapier-Beschaffung.“ Die ZAB Köln habe am 25. August 2016 das tunesische Generalkonsulat aufgefordert, Amri für eine Abschiebung „so schnell wie möglich zu identifizieren“. Dabei seien auch seine Fingerabdrücke und zwölf Aliasnamen beigefügt worden.
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