Bildung Pisa: Jeder fünfte Schüler kommt in Mathe nicht mehr mit

 Mathematik-Unterricht ist nicht jedermanns Sache. Viele Schüler fühlen sich davon überfordert.

Foto: Roland Magunia

Mathematik-Unterricht ist nicht jedermanns Sache. Viele Schüler fühlen sich davon überfordert.

Eine Pisa-Auswertung zeigt: Viele sogenannte „Low Performer“ sind in der Schule abgehängt. Nicht nur das Elternhaus spielt eine Rolle.

Berlin.  Sie scheitern an einfachen Rechenaufgaben oder haben Probleme, einen Beipackzettel zu verstehen: Bei den 15-jährigen Schülern in Deutschland kommt jeder Fünfte in Mathe nicht mehr mit, beim Lesen ist es jeder Siebte, in den Naturwissenschaften jeder Achte. Eine neue Sonderauswertung der letzten Pisa-Studie von 2012 zeigt, dass allein 141.000 Fünfzehnjährige den Anschluss in Mathe komplett verloren haben.

"Es gibt kaum Chancen, dass diese Schüler ihre Defizite je ausgleichen", warnte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. Würden die besonders schwachen Mathe-Schüler des Jahrgangs von 2012 dagegen wenigstens das unterste der sechs Pisa-Level erreichen, zahle sich das unmittelbar aus – persönlich und volkswirtschaftlich: Nach Schätzungen der OECD könnten die schwachen Mathe-Schüler über ihr gesamtes Arbeitsleben hinweg rund 3600 Milliarden Euro mehr erwirtschaften – wenn sie Unterricht wenigstens die Basiskenntnisse erreichten.

Risikogruppe größer als in anderen EU-Ländern

Der Anteil der besonders schlechten Schüler ist in Deutschland seit 2003 zwar insgesamt etwas kleiner geworden und lag zuletzt leicht über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Das Tempo aber könne wieder besser werden, mahnt Schleicher: Seit 2009 habe es kaum noch messbare Veränderungen gegeben – die Risikogruppe ist in Deutschland nach wie vor größer als in anderen europäischen Ländern, wie etwa den Niederlanden oder Polen.

Schüler aus armen und bildungsfernen Familien haben dabei in Deutschland ein besonders großes Risiko, in der Schule zu scheitern: Rund 30 Prozent der Jugendlichen aus benachteiligten Familien waren 2012 schlecht in Mathe – bei den Teenagern aus wohlhabenden und bildungsnahen Elternhäusern dagegen waren es nur sechs Prozent.

Doch nicht alles hängt am Status der Eltern: Jeder dritte Schüler mit schlechten Pisa-Noten hatte entweder keine Kita besucht oder war dort höchstens für ein Jahr.

Auch die Einstellung zur Schule trägt den Pisa-Daten zu Folge zum Lernerfolg bei: Schüler, die im Schnitt sechs Stunden Hausaufgaben pro Woche machten, hatten ein um 70 Prozent niedrigeres Risiko, im Unterricht abgehängt zu werden, als Mitschüler, die nie Hausaufgaben machten.

Von individueller Förderung profitieren alle

Und schließlich spielen die Schulen selbst eine wichtige Rolle: "Dort, wo Schulen große Eigenverantwortung haben, ist der Anteil von schlechten Schülern geringer", sagt OECD-Bildungsexperte Schleicher. Heißt: Wer Lehrpläne, Lernmittel und Lehrerstellen möglichst genau auf die Schüler abstimmen kann, hat es leichter. Von individueller Förderung profitierten dabei nicht nur die schwachen, sondern auch die leistungsstarken Schüler: "Der Einsatz für Chancengerechtigkeit bewegt auch etwas an der Spitze."

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter