Geldnot

Bericht: Anti-IS-Kämpfer verkaufen Bundeswehrwaffen weiter

Bundeswehrsoldaten bilden bei Erbil im Nordirak kurdische Peschmerga-Kämpfer aus.

Foto: SWR - Das Erste / obs

Bundeswehrsoldaten bilden bei Erbil im Nordirak kurdische Peschmerga-Kämpfer aus.

Die Peschmerga-Kämpfer erhalten nach einem Medienbericht seit Monaten keinen Sold mehr. Deshalb greifen sie nun zu drastischen Mitteln.

Hamburg.  Auf Waffenmärkten und in Waffengeschäften im Nordirak werden Waffen angeboten, die die Bundesregierung an die Anti-IS-Kämpfer geliefert hatte. In den Städten Erbil und Suleymanniya fanden Reporter vom Norddeutschen (NDR) und Westdeutschen Rundfunk (WDR) mehrere Sturmgewehre des Typs G3 und eine Pistole des Typs P1 mit der eingravierten Abkürzung "Bw" für Bundeswehr.

Die kurdischen Peschmerga-Kämpfer verkaufen die Waffen offensichtlich aus Geldnot. Dies belegt auch das Beispiel eines ehemaligen Peschmerga-Anhängers, den die Fernsehjournalisten getroffen haben. Er lebe nun als Asylbewerber mit seiner Familie in Berlin. Die Reise habe die Familie über den Verkauf eines Gewehres, das allerdings nicht aus Bundeswehrbeständen stammte.

Bundesregierung plant weitere Waffenlieferungen

2014 hatte die Bundesregierung begonnen, kurdische Peschmerga im Nordirak mit Sturmgewehren, Maschinengewehren und Panzerabwehrraketen auszurüsten, um sie im Kampf gegen den selbsternannten Islamischen Staat zu unterstützen. Zudem wurden Bundeswehrsoldaten in den Nordirak entsandt, um die Peschmerga zu trainieren. Aktuell plant die Bundesregierung weitere Lieferungen von Waffen an die kurdischen Streitkräfte.

Sturmgewehre vom Typ G3, Baujahr 1986, werden auf den Märkten im Nordirak laut dem Bericht nun zu einem Preis von 1450 bis 1800 US-Dollar angeboten. Die Pistole P1 des deutschen Herstellers Walther lag im Schaufenster eines Waffengeschäftes in Suleymanniya aus – sie wurde für 1200 US-Dollar angeboten und war noch in einem Karton mit deutscher Beschriftung originalverpackt.

Verbleib der Waffen lässt sich kaum nachprüfen

Offiziellen Stellen in der kurdischen Autonomieregierung ist das Problem desertierter Peschmerga bekannt. Der Gouverneur der Provinz von Kirkuk, Nadjmeddin Karim, erklärte im Interview mit NDR und WDR, er verurteile desertierte Soldaten nicht. Die kurdische Regierung sei mangels finanzieller Mittel nicht in der Lage, Staatsbedienstete, darunter auch die Peschmerga, regelmäßig zu bezahlen.

Das Bundesverteidigungsministerium erklärte auf Anfrage von NDR und WDR, die Regierung der Region Kurdistan-Irak stehe in der Verantwortung. Sie habe sich zu einer "korrekten Nachweisführung der übergebenen Waffen verpflichtet" sowie dazu, das gelieferte Material im Einklang mit dem Völkerrecht einzusetzen. Eine Nachverfolgung einzelner Waffen durch deutsche Kräfte sei nicht möglich, so das Ministerium. (ac)

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