In Deutschland sterben immer weniger Menschen an ihrer Drogensucht. Doch viele – vor allem junge Menschen – hängen inzwischen fast krankhaft am heimischen Computer oder an öffentlichen Geldspielautomaten. Dies geht aus dem neuen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hervor, den die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans vorstellte.
Aus ihrer Sicht ist die Entwicklung insgesamt positiv: Zwar haben nach wie vor Millionen Bundesbürger Probleme mit ihrer Sucht. Doch Jugendliche greifen immer seltener zu Flasche, Glimmstängel oder Joint. „In vielen Bereichen zeigen die Maßnahmen zur Verringerung des Drogen- und Suchtmittelkonsums Wirkung, besonders bei den Kindern und Jugendlichen, also bei der Gruppe, die besonders verletzlich sind“, sagte Dyckmans. Besorgt zeigte sie sich über den „exzessiven oder pathologischen Computerspiel- und Internetgebrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen“. Von den 14- bis 24-Jährigen gelten etwa 250.000 als internetabhängig, 1,4 Millionen als problematische Internetnutzer.
Vor allem junge Männer spielen
Rund 25 Prozent aller 16- und 17-Jährigen nutzten in den vergangenen zwölf Monaten generell ein gewerblich angebotenes Glücksspiel, so der Drogen- und Suchtbericht. 2009 waren es noch 15 Prozent der Jugendlichen in dieser Altersgruppe. Vom Automatenspiel sind nach Angaben der Bundesdrogenbeauftragten Dyckmans vor allem junge Männer betroffen.
Waren es 2009 noch 3,8 Prozent der 16 und 17 Jahre alten jungen Männer, die innerhalb eines Jahres einen Spielautomaten bedienten, stieg die Zahl im Vorjahr auf 6,8 Prozent an. Bei den 18- bis 20-Jährigen verdreifachte sich die Spielerzahl sogar. Nutzten 2007 noch 5,8 Prozent der männlichen Jugendlichen in dieser Altersgruppe einen Geldspielautomaten, stieg die Zahl im Vorjahr auf 19,8 Prozent. Bei den Frauen verdoppelte sich die Anzahl der Spieler im gleichen Zeitraum auf 5,5 Prozent. Insbesondere arbeitslose junge Menschen seien von dem Automatenspiel betroffen.
Um die Jugendlichen und Spieler besser zu schützen, rechne sie noch vor der Sommerpause mit einer neuen Spielverordnung des Bundeswirtschaftsministeriums, sagte Dyckmans. Darin soll eine bessere Überwachung, strengere Auflagen sowie höhere Geldbußen bei Verstößen festgeschrieben werden. Darüber hinaus will die Drogenbeauftragte mit der Einführung einer sogenannten Spielerkarte das Automatenspiel eindämmen. Damit soll verhindert werden, dass mehrere Automaten gleichzeitig genutzt werden können.
Tabakkonsum erreicht Tiefststand
Beim Tabakkonsum von Jugendlichen berichtete Dyckmans von einem neuen Tiefstand: Nur noch zwölf Prozent griffen in der Gruppe der zwölf- bis 17-Jährigen mindestens einmal pro Woche zur Zigarette. Generell habe sich der rückläufige Trend beim Alkoholkonsum junger Leute 2011 fortgesetzt. Dies zeige, dass die Drogen- und Suchtprävention der Bundesregierung positive Wirkung zeige.
Das gefährliche Komatrinken ist bei älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiter stark verbreitet. In der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen waren zuletzt immerhin knapp 42 Prozent dabei (2004: 43,5 Prozent). „Die alkoholbedingten Krankenhauseinweisungen sind weiter leicht gestiegen“, bedauerte Dyckmans. Laut Bericht trinken etwa 9,5Millionen Bundesbürger Alkohol in gesundheitlich riskanter Menge. Etwa 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig. Rein statistisch fließen pro Kopf jährlich zehn Liter reinen Alkohols durch die Kehlen der Bundesbürger. Die Zahl der Drogentoten sank unterdessen nach den Worten der Drogenbeauftragten 2011 auf 986. Das waren 20 Prozent weniger als im Jahr davor – und der niedrigste Stand seit dem Jahr 1988.
dpa/dapd/sei




