Sie finanzieren Sorgentelefone für ihre Mitarbeiter, Betriebskindergärten oder fahren mit der Belegschaft in den Spreewald: Mit der Auszeichnung als „Berlins beste Arbeitgeber“ sind vor wenigen Tagen 75 Unternehmen für ihre mitarbeiterfreundliche Firmenkultur geehrt worden. Zu den Preisträgern gehören Vertreter ganz unterschiedlicher Branchen, von Pharmaunternehmen und Versicherungen bis hin zu Baumärkten und Restaurants. Wie wichtig den Unternehmen die Ehrung ist, wurde schon während der Preisverleihung im Hotel Moa am Westhafen deutlich: Geschäftsführer und Personalchefs kamen in Begleitung einer ganzen Entourage auf die Bühne, um den Pokal entgegenzunehmen.
Tatsächlich ist der Preis mehr als nur Balsam für die Seelen rühriger Manager. Denn trotz einer Arbeitslosenquote von 12,3 Prozent finden Berliner Firmen nicht immer gutes Personal. Sich in Stellenanzeigen oder auf der eigenen Webseite als attraktiver Arbeitgeber präsentieren zu können, ist deshalb von Vorteil. Die Auszeichnung „Berlins beste Arbeitgeber“ ist deshalb ein Gütesiegel, denn verliehen wird der Preis vom Institut für Management und Wirtschaftsforschung (IMWF) und Professor Werner Sarges von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Medienpartner ist diese Zeitung.
Die Auszeichnung wird mit drei, vier oder fünf Sternen gestaffelt in „überdurchschnittliche“, „sehr gute“ und „hervorragende“ Arbeitgeber. Die GRG Services Group gehört zu den diesjährigen Preisträgern mit fünf Sternen. Gleich am Tag nach der Verleihung hat der Gebäudereiniger die virtuelle Siegerplakette auf seiner Internetseite veröffentlicht, unübersehbar platziert unter dem Firmenlogo.
„Trotz guter Konjunktur“, so der geschäftsführender Gesellschafter Stephan Schwarz, „gibt es ein großes Wachstumshemmnis: uns fehlt es an Personal.“ So sei es schwieriger denn je, motivierte Leute zu rekrutieren: „Mitarbeiter zu gewinnen, die einen solchen Knochenjob leisten und dabei noch kundenorientiert sind, ist sehr schwierig“, sagt Schwarz.
Unterstützungskasse für Kollegen
Gezahlt werde nach Tarif, für ungelernte Einsteiger liege der Stundensatz bei neun Euro. Auch gehe es darum, gutes Personal an das Unternehmen zu binden. „Wir unterhalten eine Unterstützungskasse für Kollegen, die in private Notlagen geraten; wir zahlen alle zwei Jahre Zuschüsse für Zahnersatz und haben Anfang Februar ein anonymes Sorgentelefon eingeführt.“ Schwarz sagt, als Arbeitgeber für seine 1500 Berliner Mitarbeiter da zu sein, sei ein entscheidender Vorteil im Ringen um geeigneten Nachwuchs – koste es auch Geld und Zeit. Und die Konkurrenz ist groß: Als zweiter von nur fünf Preisträgern ist mit der WISAG ein weiterer Gebäudereiniger mit fünf Sternen ausgezeichnet worden.
Schirmherr des Wettbewerbs ist Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Berliner Handwerkskammer. „Wir hören allerorten, dass Arbeitgeber sich immer mehr anstrengen müssen, um Stellen besetzen zu können.“ Selbst auf dem Ausbildungsmarkt konnten im vergangenen Jahr einige Hundert Ausbildungsplätze nicht vermittelt werden. „Nicht nur für Großbetriebe ist es wichtig, wahrgenommen zu werden.“ Auch kleinere Unternehmen, so Wittke, betreiben mehr und mehr Aufwand. Die Auszeichnung „Berlins beste Arbeitgeber“ dokumentiere diese Bemühungen.
Nicht nur im Handwerk, auch im Hightech-Bereich legen sich Arbeitgeber ins Zeug. So ist der Branchenverband Bitkom mit vier Sternen als „sehr guter Arbeitgeber“ prämiert worden. Der Bitkom vertritt als Bundesverband die Interessen von mehr als 1700 Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche.
Auf aktuelle Entwicklungen muss Bitkom schnell reagieren, derzeit beschäftigen etwa Hacker-Angriffe und Cyberspionage die Branche. Doch IT-Sicherheitsexperten anzuwerben sei keine Leichtigkeit, sagt Anja Oslo, Mitglied der Geschäftsführung des Bitkom. Viele Fachkräfte würden von den Branchenriesen eher angezogen und nähmen den Verband mit seinen 110 Mitarbeitern als Arbeitgeber gar nicht so sehr wahr: „Mit unserer Auszeichnung können wir das ändern“, sagt Oslo.
Gemeinsamkeit als Wettbewerbsvorteil
Bei Bitkom werde am Wochenende nicht nur gemeinschaftlich im Spreewald gepaddelt, es gebe neben Teamlunchs und Sportwochenenden auch eine Kultur des gegenseitigen Austauschs. In seinem Intranet betreibt der Verband einen Blog, an dem sich jeder Mitarbeiter unabhängig seiner Funktion beteiligen kann.
Gemeinsamkeit als Wettbewerbsvorteil: Auch im Unfallkrankenhaus Marzahn, ausgezeichnet mit drei Sternen, begegnen sich Mitarbeiter aller Berufsgruppen und Funktionen regelmäßig. Während der Sportkurse in der krankenhauseigenen Schwimmhalle oder zu Fortbildungen.
Auch wenn in der Unfallklinik wenig vom Fachkräftemangel zu spüren sei, müsse man vorbauen, sagt Pressesprecherin Angela Kijewski: „Wir wollen auch künftig nur die besten Köpfe für unser Haus gewinnen.“ Weil 70 Prozent der Medizin-Absolventen weiblich seien und der Schichtdienst alle arbeitenden Mütter vor Probleme stelle, leistet sich das Krankenhaus einen eigenen Betriebskindergarten.
Wie viele Sterne ein Unternehmen im Wettbewerb erhält, wird allerdings nicht anhand der Angebote oder Vergünstigungen ermittelt, die ein Arbeitgeber seinen Angestellten bietet. Gemessen wird vielmehr die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit ihrer Firma.
Der Hamburger Personalpsychologe Werner Sarges hat dafür eigens eine Befragung entwickelt, in der die eigene Firma als Persönlichkeit beschrieben und die Unternehmenskultur beurteilt werden soll. Je häufiger Mitarbeiter und Führungskräfte in ihren Bewertungen übereinstimmen, desto besser schneidet das Unternehmen ab. 2014 sollen die Kriterien für die Auszeichnung „Berlins bester Arbeitgeber“ neu justiert werden.
DIE AUSZEICHNUNGEN DES JAHRES 2013
5 STERNE |
Berliner Wochenblatt Verlag GmbH |
Block House Restaurantbetriebe AG |
GRG Services Berlin GmbH & Co. KG |
Headmatch |
WISAG Gebäudereinigung Berlin GmbH & Co. KG |
4 STERNE |
BITKOM |
Kongress- und Kulturmanagement GmbH |
3 STERNE |
Sony Europe Limited |
ACCOR Hospitality Germany GmbH |
Atotech Deutschland |
August Storck KG |
Axa Konzern AG |
BASF |
Bayer Healthcare Pharmaceuticals |
BERLINER GLAS KGaA Herbert Kubatz GmbH & Co. |
Berliner Stadtreinigungsbetriebe BSR |
Berliner Volksbank eG |
BMW Niederlassung Berlin |
Coca-Cola GmbH |
Debeka Versicherungsgruppe |
Degewo AG |
Deutsche Bahn AG |
Deutsche Kreditbank AG |
Deutsche Post DHL |
Deutsche Postbank |
Deutsche Telekom AG |
Dirk Rossmann GmbH |
dm-drogerie markt GmbH + Co. KG |
Dussmann Stiftung & Co. KGaA |
EDEKA Minden-Hannover Stiftung & Co. KG |
Ernst & Young GmbH |
Finanz Informatik GmbH & Co. KG |
GASAG Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft |
GE Energy Power Conversion |
Gewobag AG |
Groupon GmbH |
H & M HENNES & MAURITZ B.V. & Co. KG |
Hornbach-Baumarkt-AG |
Howoge Wohnungsbaugesellschaft |
IAV Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr |
IBM Deutschland |
IKEA Deutschland GmbH & Co. KG |
Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH |
KPMG AG |
Lidl Vertriebs-GmbH & Co. KG |
MAN Diesel und Turbo |
Marriott International, Inc. |
McDonald's |
Media-Saturn-Holding GmbH |
Mercedes-Benz Niederlassung Berlin |
Metro Cash & Carry Deutschland |
Mosaik Unternehmensverbund |
NH Hoteles Deutschland |
Nokia Siemens Networks |
Obi GmbH & Co. Deutschland |
Osram GmbH |
Parexel International GmbH |
parfümerie douglas deutschland GmbH |
Piepenbrock Service GmbH + Co. KG |
Price Waterhouse Coopers |
Randstad Deutschland |
RBS RoeverBroennerSusat GmbH & Co. KG |
Real SB-Warenhaus GmbH |
Renafan GmbH |
Rewe AG |
Robert Lindner GmbH & Co. KG |
SAP AG |
S-Bahn Berlin GmbH |
Siemens |
Sitel GmbH |
Strato AG |
Toll Collect GmbH |
Total Deutschland GmbH |
Unfallkrankenhaus Berlin |
Vodafone GmbH |
Volkswagen Automobile Berlin GmbH |
Bewerbungsrunde 2014
Anmeldungen für „Berlins beste Arbeitgeber 2014“ werden von der Agentur Faktenkontor angenommen. Es können vier verschiedene Leistungspakete gebucht werden. Ansprechpartner ist Alexander Göschl, Tel. 040 / 2531 85 161. Mail: Alexander.Goeschl@ Faktenkontor.de





