Kommentar

Nichts läuft rund am BER

Am BER funktioniert gar nichts, weder organisatorisch, noch strukturell. Und ja, es kann schlimmer kommnen, sagt Christine Richter.

Der Ankunftsbereich des neuen Hauptstadtflughafens BER

Der Ankunftsbereich des neuen Hauptstadtflughafens BER

Foto: Ralf Hirschberger / picture alliance / Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

Viele haben es in den letzten Tagen schon vermutet, nun werden sie durch ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger bestätigt: Der BER wird wohl nicht, wie von Berlin gewünscht, im Sommer 2018 eröffnen, sondern frühestens ein Jahr später. Die Wahrscheinlichkeit, dass der BER im Sommer 2018 eröffnen könne, liege bei drei Prozent, so die Analysten von Roland Berger. Drei Prozent.

Kann es noch schlimmer kommen beim BER? Diese Frage haben wir in den letzten Jahren, seit der ersten abgesagten Eröffnung 2011, schon häufig gestellt. In jedem Jahr, in dem die Inbetriebnahme verschoben wurde, wieder. Im vergangenen Jahr, während des Wahlkampfes, hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist, stets gesagt, im Jahr 2017 werde der Airport eröffnen. Alle Hinweise, das werde nicht klappen, ließ er nicht gelten. Nun, erwartungsgemäß sagte Müller Anfang dieses Jahres – also nach der Wahl – die Eröffnung für 2017 ab. Man sei "in der Schlusskurve", meinte er noch. Doch diese Kurve scheint sehr lang zu werden.

Grund sind die immer noch nicht gelösten Probleme mit der Brandschutzanlage, die nicht funktionierenden Türen – und das Chaos selbst, das Müller und der Aufsichtsrat in den vergangenen Tagen angerichtet haben. Seit Montag ist der Flughafenchef Karsten Mühlenfeld weg, dafür bestimmt nun Engelbert Lütke Daldrup die Geschicke am BER, der von Mühlenfeld entlassene Technikchef ist wieder da.

Strukturelle Fragen in der BER-Geschäftsführung wurden dagegen nicht geklärt, die Baustellenorganisation funktioniert nicht, die Politik mischt weiter mit, leider auch operativ. Und weil das alles noch nicht schlimm genug ist, muss man auch das stets bedenken: Wenn der BER im Jahr 2019 eröffnet, ist er mehr als acht Jahre veraltet, hat mehr als sechs Milliarden Euro gekostet – und ist viel zu klein.

Mehr zum Thema:

Die Eröffnung des BER steuert auf 2019 zu

Flughafen Schönefeld schlechtester Airport der Welt

Lütke Daldrup will neuen Eröffnungstermin für BER festlegen

Berliner Staatssekretär soll Flughafen BER jetzt an den Start bringen

Neun Fragen und Antworten zur Situation am BER

Kommentar: Lütke Daldrup ist das letzte Aufgebot für den BER

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.