Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen ab 11. Dezember auf etlichen Linien ihre U-Bahnen und Busse öfter fahren lassen. Taktverdichtung nennt sich das Zauberwort. Und die Berliner, die täglich mit Bus und Bahn in der Stadt unterwegs sind, werden ausrufen: „Na endlich!“. Denn vor allem am Morgen und am Nachmittag, wenn sich ganz viele gleichzeitig auf den Weg zur Arbeit oder auf den Heimweg machen, sind etwa Fahrten mit der U-Bahn alles andere als ein Vergnügen. Da wird gedrückt und gedrängelt, um noch irgendwie mitzukommen. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit bleiben da auf besonders stark genutzten Linien wie der U2, U5, U7 oder U8 schnell mal auf der Strecke.
Es ist nicht zu übersehen: Die Stadt wächst und damit auch die Ansprüche an den öffentlichen Nahverkehr. Und zwar überproportional: Die BVG etwa hatte im Vorjahr erstmals mehr als eine Milliarde Fahrgäste transportiert, rund 3,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im selben Zeitraum ist die Einwohnerzahl von Berlin um „nur“ 1,4 Prozent gestiegen.
Auf den weiter anhaltenden Fahrgast-Ansturm sind die BVG und ihr Eigentümer, das Land Berlin, allerdings nicht gut vorbereitet. Denn dort wurde jahrelang gespart, etwa an Investitionen in neue U-Bahnzüge. Die Flotte hat inzwischen das stolze Durchschnittsalter von fast 28 Jahren. Das erhöht die Störanfälligkeit. Wiederholt hatte die BVG Probleme, ausreichend Züge auf die Schiene zu bringen. Da kann es schnell passieren, dass der dichtere Takt nicht oder nur mit Kurzzügen eingehalten werden können. Das Drängeln und Schieben wird so kein Ende nehmen.
Wenn Berlin weiter den Anspruch hat, Einwohnern und Besuchern eines der leistungsfähigsten Nahverkehrssysteme Europas zu bieten, sind jetzt mutige Investitionsentscheidungen gefragt. Auch das ist ein klarer Auftrag an den neuen Berliner Senat. Seite 16




