Es ist richtig: Nach dem in der deutschen Eisenbahngeschichte einmaligen Desaster in den Jahren 2009 und 2010 hat sich bei der S-Bahn viel Positives getan. Das Angebot an Fahrten ist inzwischen sogar größer geworden als vor der Krise. Dennoch hat die Bahntochter noch immer Probleme bei der Pünktlichkeit ihrer Züge. Die Quote lag auch im Vorjahr unter der eigenen Zielvorgabe von 96 Prozent. Wobei nur Fahrten als verspätet gewertet werden, die drei Minuten und mehr vom Fahrplan abweichen. Nun mag eine Verspätung von wenigen Minuten in einem so dicht befahrenen Netz wie dem im Berliner Nahverkehr verschmerzbar sein. Doch jeder Fahrgast weiß, wie ärgerlich es sein kann, wenn einem wegen einer Unpünktlichkeit der Anschlusszug direkt vor der Nase wegfährt.

S-Bahnchef Peter Buchner hat das Problem erkannt. Im Interview mit der Berliner Morgenpost kündigte er weitere Schritte an, damit die rot-gelben Züge wieder ihre einst legendäre Pünktlichkeit erreichen. Dazu gehört aus seiner Sicht vor allem eine technisch gut gewartete Flotte mit einer ausreichenden Zahl an einsatzbereiten Fahrzeugen. An dieser Stelle stößt Buchner allerdings immer wieder an Grenzen. Keine der drei aktuell im Einsatz befindlichen Baureihen ist ohne technische Macken. Deren Beseitigung ist teuer und sehr zeitaufwendig. Allein die Sanierung der maroden Drehgestelle der alten Westberliner Baureihe 480 wird fast zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Um so wichtiger ist deshalb, dass die nächste Fahrzeuggeneration für die Berliner S-Bahn ein Volltreffer wird. Der Auftrag ging an zwei renommierte Fahrzeughersteller. Siemens und Stadler in Pankow haben die große Chance, das etwa durch die jüngste VW-Affäre oder das andauernde BER-Debakel in Schönefeld angekratzte Image deutscher Ingenieurskunst aufzubessern. Gut ist auch, dass die Fahrgäste der S-Bahn bei der Gestaltung der neuen Fahrzeuge mit einbezogen werden. Keiner als der Nutzer selbst kann schließlich besser sagen, was ihm im S-Bahnalltag wirklich wichtig ist. Bleibt nur zu hoffen, dass sich seine Mitwirkung nicht auf die Wahl zwischen zwei gleich unbequemen Sitzmodellen beschränken wird.