Es ist an der Zeit, mit einem Mythos aufzuräumen: Das Myfest in Kreuzberg war von Anwohnern ins Leben gerufen worden, um die Straßen und Plätze in Kreuzberg zu besetzen. Damit die Chaoten am 1. Mai keine Chance hatten, sich auszutoben und in blinder Zerstörungswut, die Scheiben von Kneipen, Kiosken und Geschäften zu zerschlagen. Aber das Myfest hat in den vergangenen Jahren seine politische Unschuld verloren. Es wurde mehr und mehr ein Volksfest, das Menschenmassen anlockte. Häufig unterstützten die Besucher die politisch linke Einstellung vieler Kreuzberger. Aber das Myfest war zuletzt mehr Party als Politik.
Mit Folgen: Denn anders als manche Kundgebung am 1. Mai zog das Fest Zehntausende Besucher an. Das Myfest wurde vom Erfolg überrannt. Monika Herrmann, Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, will nicht mehr die Verantwortung übernehmen. Nach dem Desaster der Loveparade von Duisburg sind Massenveranstaltungen ohne Fluchtwege und ohne Sicherheitskonzept politisch und vor allem auch rechtlich nicht mehr zu vertreten.
Seit Wochen müht sich nun Innensenator Frank Henkel, mit den Veranstaltern des Myfestes eine Lösung zu finden. Viele kleine Einzelkundgebungen auf den Bühnen sollen eine Lösung sein. Nicht mehr das Myfest als Gesamtes, sondern einzelne kleinere Veranstaltungen mit politischem Charakter sollen den 1. Mai retten. Das löst aber nicht das Hauptproblem: Wer übernimmt die Verantwortung? Es kann ja nicht sein, dass diese politischen Kundgebungen dann von der Polizei geschützt werden müssen – vor Chaoten und vor zu großem Andrang. Wenn dann auch noch – wie von einigen Anwohnern verlangt – um 22 Uhr Ruhe einkehren soll, kann die Polizei nur verlieren.
Die Lösung muss anders aussehen. Es waren die Bürger, die ihren Kiez mit dem Myfest befrieden wollten. Das haben sie teilweise geschafft. Nun ist es an der Zeit, das Myfest zu professionalisieren. Notfalls mit Zugangskontrollen und mehr Sicherheit. Das wird manchem nicht passen. Aber auch bei Punkfestivals gibt es Zäune, Eingänge und Ordner.





