Die jungen Deutschen wissen sehr genau, was sie wollen: Sie wünschen sich einen Lebensgefährten, nicht nur einen Gefährten für den nächsten Lebensabschnitt. Und sie wünschen sich Kinder. Aber nicht um jeden Preis. Eine stabile Partnerschaft und ein halbwegs ausbalanciertes Leben zwischen Beruf und freier Zeit – das ist den meisten noch deutlich wichtiger. Doch wenn sie an Kinder denken, dann wollen sie vor allem eins: Zeit mit ihnen verbringen. Sie sehen die heutigen Mütter und Väter in ihrem Hamsterrad, sie sehen den Stress und das Gerenne – und zucken zurück.
Eine aktuelle Forsa-Umfrage zur Zukunft der Familie belegt sehr eindrücklich, wie wichtig der kommenden Elterngeneration der Faktor Zeit ist. Die Mehrheit wünscht sich ein Familienmodell, bei dem beide Eltern zwar arbeiten, beide sich aber auch um die Kinder kümmern. Die Vorstellung, das Familienleben ganz dem Arbeitsleben unterzuordnen, kommt für die meisten nicht in Frage. Nur acht Prozent finden es gut, wenn beide Eltern voll arbeiten und die Kinder von morgens bis abends in Kitas oder Ganztagsschulen betreuen zu lassen.
Leider, und auch das ist ein Ergebnis der Umfrage, rechnen viele damit, dass dennoch kein Weg daran vorbeiführt: Die Erwachsenen arbeiten, die Kinder werden betreut – und das Familienleben findet allerhöchstens noch früh morgens, spät abends und an den Wochenenden statt. Bei Paaren, die sich Teilzeitmodelle nicht leisten wollen oder können, aber auch bei vielen Alleinerziehenden ist das heute schon so.
Der Druck erhöht sich von allen Seiten
Doch das Hamsterrad der heutigen Eltern dreht sich nicht nur deshalb so schnell, weil die Arbeitswelt den Takt vorgibt, die Kinderwelt aber anders tickt und viele Kitas und Schulen spätestens um 16 Uhr schließen. Es dreht sich auch deshalb immer schneller, weil sich der Druck von allen Seiten erhöht. Nicht nur von außen – auch von innen: Eltern sind Weltmeister darin, sich selbst Stress zu machen und sich gegenseitig unter Druck zu setzen.
Ein Beispiel: Kann sich irgendjemand daran erinnern, dass in den Generationen zuvor ein derartiger Alarmzustand herrschte bei der Frage, in welche Kita oder – komplizierter noch – in welche Schule ein Kind gehen soll? Jede Entscheidung hat heute ihr eigenes Erregungspotenzial – von der Geburt bis zur Führerscheinprüfung: Stillen oder nicht stillen? Montessori-Erziehung oder Waldkindergarten? Abitur nach zwölf oder 13 Jahren? Bilinguale Schule oder Musikgymnasium? Auslandsjahr oder Soziales Jahr? Dahinter stehen zwei Wünsche. Erstens: Für unser Kind nur das Beste. Zweitens: Unser Kind muss das beste sein. Oder wenn schon nicht das beste, dann doch mindestens das glücklichste, das am besten geförderte, das chancenreichste.
Wettbewerb um die Leistungsfährigkeit als Eltern
Bei vielen Erwachsenen beschränkt sich der Trend zur Selbstoptimierung längst nicht mehr nur auf die eigene Gesundheit und die Leistungsfähigkeit im Job, sondern wuchert in alle anderen Lebensbereiche – bis hin zum Wettbewerb um die Leistungsfähigkeit als Eltern.
Wie die neue Forsa-Umfrage zeigt, machen sich die jungen Deutschen in diesem Punkt keine Illusionen. Sie träumen zwar von einem Bilderbuchleben mit einer Bullerbü-Familie – haben gleichzeitig aber einen sehr realistischen Blick auf das Leben von Müttern und Vätern im 21. Jahrhundert. Nur drei Prozent glauben, dass ihr Leben durch Kinder glücklicher und erfüllter wird. Im Gegenteil: 96 Prozent ahnen, dass sich ihre Leben vor allem stark verändert - weniger eigene Zeit, mehr Verantwortung und ein neuer Taktgeber im Alltag.
Kein Wunder, dass die nächste Elterngeneration alles groß schreibt, was nach Entspannung aussieht und auch das Kinderkriegen selbst immer weiter nach hinten verschiebt. Doch das Signal, das diese Generation setzt, ist gut: Viel gemeinsame Zeit! Drücken wir ihnen die Daumen, dass sie es schaffen.

