TV-Abschied

Raab hatte schon immer den Sendeschluss mit 50 geplant

Stefan Raab wird im kommenden Jahr nicht mehr im TV zu sehen sein. Er macht Schluss vor der Kamera - wie er es immer wollte.

Das kam unerwartet für Fans, Kollegen, Aktionäre: Stefan Raab hört auf. Mit dem 48-jährigen Metzgersohn aus Köln verschwindet zum Ende des Jahres der wohl einfallsreichste Entertainer aus dem deutschen Fernsehen. Seine Ankündigung, nicht mehr auf dem Bildschirm seinen genialen Ulk zu verbreiten, schlug am Mittwochabend zwar heftig ein, entsprach aber im Grunde genommen einer langfristig angelegten Lebensplanung.

In einem kurzen TV-Interview, das vor knapp 20 Jahren entstand, sagte der etwa 30-jährige Raab, damals schon ein Star des Musikfernsehens: "In meiner Anfangszeit bei Viva habe ich mal gesagt, dass ich nicht im Fernsehen alt werden möchte." Er meinte weiter: "Ich möchte nicht meinen Kindern erzählen: ,Guck mal, das im TV ist der Papa, der macht da den lustigen Onkel, damit er Euch was zum anziehen kaufen kann.'"

Mit 50 sei spätestens Schluss, prognostizierte der Tausendsassa damals schon, obwohl der größte Sprung seiner Karriere noch bevorstand: der Wechsel zu ProSieben, die Ideen für viele neue Fernsehshows, die Gründung einer eigenen TV-Produktionsfirma in Zusammenarbeit mit dem Kölner Unternehmen Brainpool. Das machte Raab nicht nur zum Bildschirmstar. Er wurde mit all den TV-Formaten aus seiner Ideenschmiede ein international erfolgreicher Geschäftsmann.

Die Gründe bleiben im Unklaren

Raab reiht sich ein in eine ganze Generation von Bildschirm-Stars, die sich zurückzieht. Hape Kerkeling, mittlerweile 50 Jahre alt, hat schon vor längerem erklärt, nicht mehr für die große Bühne zur Verfügung zu stehen. Harald Schmidt, 57 Jahre, das deutsche Late-Night-Aushängeschild der 90er Jahre und zu Beginn des neuen Jahrhunderts, wanderte von Sender zu Sender, bis er alle Zuschauer verlor. Thomas Gottschalk (65) hat "Wetten, dass..?" längst abgelegt, und auch Günther Jauch (58) hat mit dem jüngst avisierten Abschied vom ARD-Polittalk einen kleinen Schritt zurückgetan.

Was Raab zu seinem Schritt wirklich bewegt, lässt er im Unklaren. "Ich habe mich entschlossen, zum Ende dieses Jahres meine Fernsehschuhe an den Nagel zu hängen", zitierte ihn sein Sender, dem er 16 Jahre fest verbunden war. "ProSieben hat mir eine mehrjährige Vertragsverlängerung angeboten. Das hat mich sehr geehrt. Dennoch habe ich meine Entscheidung nach reiflicher Überlegung und mit Überzeugung getroffen."

Es knirschte zwischen ProSieben und Raab

Zuletzt soll es jedoch im Verhältnis zwischen ProSieben und Raab geknirscht haben. Der Sender hatte im Juli vergangenen Jahres bei der Jahresprogrammpressekonferenz in Hamburg ein neues Showformat mit Raab in Aussicht gestellt. Doch daraus wurde nichts. Dann wurde seine Show "Schlag den Raab" im Frühjahr "aus produktionstechnischen" Gründen einmal verschoben, auch hier kochten Gerüchte um Spannungen hoch.

ProSieben ließ mit der Abschiedsverkündung allerdings keine Animositäten durchblicken. Wolfgang Link, ProSieben-Senderchef und Vorsitzender der Geschäftsführung der ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH, teilte mit: "Stefan Raab hat ProSieben und das deutsche Fernsehen geprägt. Er hat uns viele neue Shows und unzählige magische Momente geschenkt." Er erinnere sich besonders gerne an zwei: Lenas Sieg beim Eurovision Song Contest in Oslo und an das TV-Duell zur letzten Bundestagswahl: "In diesen Events zeigt sich die ganze Bandbreite seiner kreativen Leistung" Allerdings waren dies zwei TV-Ereignisse, die nicht beziehunsgweise nicht exklusiv von ProSieben gesendet wurden.

"ProSieben und ich werden Stefan Raab sehr vermissen. Sollte er jemals einen Rücktritt vom Rücktritt in Erwägung ziehen: Bei ProSieben stehen ihm alle Türen offen", hieß es weiter von Link.

Neue Lösungen von ProSieben am 7. Juli

Allerdings wurde Raab zuletzt mit dem privaten Marktführer RTL in Verbindung gebracht, der eine neue Show im Stil von "Wetten, dass..?" plant. "Eine Zusammenarbeit mit Stefan Raab ist derzeit bei uns kein Thema", wehrte ein Sprecher auch am Donnerstag ab. Doch ein kleines Fragezeichen bleibt: RTL hat seine Jahresprogrammpressekonferenz in diesem Jahr auf den Saisonstart im Spätsommer verschoben. Vielleicht um dann in aller Ruhe einen neuen Star zu präsentieren? Wird Raab die Fernsehschuhe noch einmal vom Nagel nehmen?

Um Raab muss sich niemand Gedanken machen. Als Produzent dürfte er erfolgreich bleiben. Auch dem Konzern ProSiebenSat.1 geht es gut. Doch nach Raabs Abgang klaffen riesige Lücken. Nicht nur die ellenlangen Samstagabendshows müssen ersetzt werden, vor allem auch die werktägliche Show "TV total" hinterlässt ein Loch im Programm. Wie wird das gestopft? "Samstags werden weiter Shows laufen", versicherte ein ProSieben-Sprecher am Donnerstag. Und sonst? Am 7. Juli will der Sender auf seiner Jahrespräsentation Lösungen nennen.

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