In welchen Verhältnissen manche Leute leben! Miss Shepherd (Maggie Smith) etwa, eine grantelnde alte Schachtel, haust seit den 70er-Jahren in einem klapprigen Lieferwagen, den sie mal vor dieser, mal vor jener Einfahrt in Londons Wohnviertel Camden abstellt. Bis die Anwohner den Unrat und Gestank nicht mehr ertragen und die Frau ein paar Häuser weiter zieht.
Der alleinstehende Schriftsteller Alan Bennett (Alex Jennings) ist etwas toleranter als die andern oder einfach zu faul für einen Konflikt und lässt, als die Parkvorschriften verschärft werden, die Obdachlose mit dem maroden Van in seinem Vorgarten parken.
Die Notdurft verpestet die Einfahrt
„Vorübergehend“, wie Mary Shepherd sagt, doch daraus werden über 15 Jahre. Dabei ist die Lady alles andere als einfach, an allem hat sie etwas auszusetzen, mit ihrer Notdurft verpestet sie nicht nur Bennetts Bad, sondern auch die Einfahrt.
Den nächtlichen Besuch junger Männer bei ihm hält sie für gefährliche Kommunisten. Doch trotz aller Verschiedenheit entwickelt sich im Lauf der Jahre eine eigenwillige Freundschaft zwischen ihnen, deren Verlauf Bennett mit feiner Selbstironie in seinem Tagebuch festhält.
Einer schreibt und einer lebt
„The Lady in the Van“ basiert auf den „größtenteils wahren“ Erinnerungen des britischen Schriftstellers, die Nicholas Hytner bereits 1999 in London auf die Bühne brachte, auch damals mit Maggie Smith in der Hauptrolle. Die Charaktermimin ist einfach großartig als exzentrische Alte, die gegen alles und jeden ätzt. Sie schafft es, diese Figur weder der Lächerlichkeit preiszugeben noch den Film in sozialkitschiges Wohlgefallen aufzulösen.
Hytner greift dabei auf einen alten Theatertrick zurück und lässt Bennett doppelt erscheinen. Der eine schreibt, der andere lebt und beide diskutieren miteinander, wie mit der schrulligen Alten zu verfahren ist. Die Mischung aus Exzentrik, Zurückhaltung, Sprachgefühl und leisem Humor kriegen eben nur die Briten hin.




