Von Peter Zander
„Wie sind die Chancen?“ – „Beschissen.“ Wenn ein Arzt eine solche Diagnose stellt und dann auch noch einen Schnaps drauf kippt, weiß man, welches Stündlein geschlagen hat. Oder doch bald schlagen wird.
Bodo (Florian David Fitz) hat etwas aus der Bahn geworfen, er lässt sich seither treiben, lässt sich auch immer wieder fallen. Buchstäblich. Bis ihn einer seiner Sekunden-Koma-Aussätze in die Notaufnahme bringt. Und zur Diagnose Hirntumor.
Ziemlich beste Freunde im Hospiz
Alsbald liegt er im Sterbehospiz. Unfreiwilliger Nachbar von Andi (Matthias Schweighöfer), der ein Leben lang immer nur Klavier geübt hat, weil er Pianist werden wollte. Und nun ebenfalls ein Todeskandidat ist: wegen einer Lungenfibrose.
Andi indes tut alles, um sich zu schonen, bewegt sich nie ohne künstliche Sauerstoffzufuhr. Um sein Leben so lang wie möglich zu verlängern.

Die beiden sind sich von Anfang an von Herzen unsympathisch. Bodo möchte noch mal richtig was erleben. Er könnte einen Kredit aufnehmen – bevor die Rückzahlung fällig wäre, wäre er sowieso tot. Dumm nur, dass er nicht kreditwürdig ist. Also braucht er notgedrungen den Nervtöter von nebenan. Auch wenn der jedes Risiko scheut.
Bodo überredet Andi zu der Aktion „Der geilste Tag“. Nachholen, was man immer verpasst hat. Da schwingt dann sogar ein bissel Goethens „Faust“ mit: „Werd’ ich zum Augenblicke sagen / Verweile doch, du bist so schön...“ Das führt die beiden erst mal im Sportflitzer über die Autobahn. Und dann nach Südafrika, ans andere Ende der Welt.
Keine ganz neue Idee
Zwei Buddies auf letzter Strecke: Das ist nicht eben die frischeste Idee. Wir kennen das aus „Knockin’ on Heaven’s Door“, wo Til Schweiger und Jan Josef Liefers aus der „Abnippelstation“ ausbüxen. Oder aus „Das Beste kommt zum Schluss“, wo Jack Nicholson und Morgan Freemann immer absurdere Extremherausforderungen antraten, um sich noch lebendig zu fühlen.
„Der geilste Tag“ kommt ohne Banküberfälle wie bei „Knockin’“ oder unzahlbare Millionärseskapaden wie bei Nicholson aus. Ganz vergessen macht der Film seine Vorgänger zwar nicht, aber das machen seine Hauptdarsteller mehr als wett.

Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer zählen zu den ganz wenigen Stars, die hierzulande Millionen in die Kinos ziehen. Noch nie aber haben sie einen Film zusammen gedreht. Fitz hat gerade erst im Sterbedrama „Hin und weg“ einen Todkranken gemimt, bis zum letzten Atemstoß.
„Der geilste Tag“ ist sowas wie die tragikomische Variante, die er wie sein Drehbuchdebüt „Vincent will meer“ als Roadmovie zur Erkenntnis steuert. Zum zweiten Mal hat Fitz dabei erneut Regie geführt, Schweighöfer, der ebenfalls oft selbst inszeniert, ist hier auf die Rolle des Sozius (und Koproduzenten) reduziert und muss sich ständig böse Anspielungen auf seine Haarfarbe anhören.
Aber die Chemie zwischen den beiden funktioniert ganz prächtig und lässt auch gnädig über manche Drehbuchschlaglöcher hinwegsehen. Nur schade, dass Andis Idee, den gemeinsamen Aufbruch als Blog für die Nachwelt festzuhalen, irgendwann etwas unter die Räder kommt..





