In fast jedem Erklärungsversuch für den einzigartigen Erfolg der „Star Wars“-Reihe findet sich der Hinweis auf ihre religiöse Schlagseite. Meistens wird dabei auf die „Macht“ verwiesen, jenes metaphysische, alles durchdringende Energiefeld, das von Gut wie von Böse im Kampf um die Galaxie gleichermaßen genutzt wird.
Dabei wird oft übersehen, dass die Filme von einem anderen, nicht minder religiösem Motiv viel stärker profitieren als von der nur sporadisch genutzten „Macht“, die bestenfalls einmal den großen Lichtschwerterkampf am Ende entscheidet. Die Rede ist vom Glauben an Auferstehung.

Nach drei mehr oder minder enttäuschenden Prequels der Klassiker von 1977, 1980 und 1983 warteten die „Star Wars“-Fans der ersten Stunde auf diesen Film, in der Gesamtrechnung Episode 7, wie auf eine Erlösung. Und J.J. Abrams, der erstmals anstelle von George Lucas produzierte und auch Regie führte, enttäuscht sie nicht.
Abrams hat sich schon 2013 mit „Star Trek: Into Darkness“ in den Weiten des Alls erfolgreich umgetan. Und auch dieser von weltweiter Erwartungshaltung tonnenschwer beladene Blockbuster gelingt ihm: weil er sich auf den Motor der Ur-Erzählung verlässt – und eben nicht auf die Möglichkeiten digitaler Effekthascherei, denen Lucas in den Episoden 1-3 erlag.
Rückkehr der ersten Star-Wars-Stars
Abrams’ Film bespielt ideenreich und teils nostalgisch das wichtigste Thema der Saga, das schon den ursprünglich zweiten Teil „Das Imperium schlägt zurück“ zum stärksten aller bisherigen machte: die Wiederkehr, das Erwachen. Auferstehung.
Das nicht nur in dem platten Sinn, dass in „Das Erwachen der Macht“ tatsächlich alle drei Hauptfiguren der Ursprungstrilogie zurück kommen: Harrison Ford als warmherziger Weltraumrabauke Han Solo, Carrie Fisher als grundgute Leia Organa und Mark Hamill als der edle Luke Skywalker – in ihrer Leinwandpräsenz erkennbar gestaffelt nach Maßgabe ihres schauspielerischen Vermögens.

Von alten Bekannten wimmelt es ohnehin in diesem Film: Der Übersetzungsroboter C3PO ist ebenso dabei wie die gute alte Recheneinheit R2D2 oder der haarige Wookie Chewbacca, und in vielen Aliens und anderen Nebenfiguren erkennt man Reminiszenzen an das Setdesign der 70er- und frühen 80-er, das dem Epos seine Handschrift verlieh.
Aber das ist es nicht allein. Abrams hat erkannt, dass der Krieg der Sterne nicht neu erfunden werden muss, sondern seine Kraft aus Varianten der immer gleichen Erzählung schöpft. Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie: 30 Jahre nach der Rückkehr der Jedi-Ritter und dem Tod Darth Vaders hat sich eine neue bösartige Bedrohung formiert, die sich nicht mehr „Imperium“, sondern „Erste Ordnung“ nennt.
Ein Fußball mit umgestülpter Salatschüssel
Aber sie trägt identische Kennzeichen zur Schau: Es sind die gleichen weißen Plastikuniformen der Sturmtruppen mit ihren unförmigen Helmen, die gleichen riesenhaften Sternenzerstörer, die gleichen fledermaushaft ausschwärmenden Kampffliegerverbände – und natürlich glüht auch das Lichtschwert des Hauptbösewichts in jenem Rot, das wir aus Vaders Lebzeiten kennen.
Der Lord der Finsternis heißt in diesem Film Kylo Ren und wird von Adam Driver gespielt. Die meiste Zeit trägt er eine ähnlich bedrohliche, schwarze Einschüchterungsmaske wie sein Amtsvorgänger. Sein übles Trachten richtet sich darauf, das Wiedererstarken der Jedi zu verhindern. Denn irgendwo im Weltraum hält sich Luke Skywalker versteckt, der letzte lebende Jedi. Wo genau, das weiß nur ein putzig herumkugelnder Droide namens Bb-8, eine Art Fußball mit umgestülpter Salatschüssel oben drauf.

Dem nämlich ist ein Datenträger mit dem großen Geheimnis anvertraut worden. Also beginnt die große Jagd auf den kleinen Roboter, und mehr soll an dieser Stelle über die Handlung nicht preisgegeben werden – mit Ausnahme der orakelhaften Andeutung vielleicht, dass sie Wendungen nimmt, die vor allem den altgedienten Fans der Serie die Sprache verschlagen werden. Abrams und seinem Kameramann Daniel Mindel, der mit ihm schon für „Star Trek“ zusammenarbeitete, gelingt es furios, an das Design der alten Filme anzuschließen, ohne dabei hausbacken auszusehen. Viel stärker als in den Prequels wurde mit klassischem Filmmaterial und nicht im Animationsstudio gedreht.
Effekte nur, wenn sie nötig sind
Abrams kennt seine fast 40 Jahre nach der ersten Premiere gestiegenen Möglichkeiten in Bildgestaltung und Spezialeffekten. Aber er nutzt sie nicht, um dauernd eitel das Straußenrad aufzuspannen. Sondern nur, wenn er sie braucht.
Das macht diesen Film ungewöhnlich in der Riege heutiger Science-Fiction-Verfilmungen, die alles ausstellen, was die Rechenleistung hergibt. Und es macht ihn in einer positiven Weise zu einem Film über sich selbst. Sein Kapital liegt in dem Blick Han Solos auf seine ehemalige Geliebte Leia, 30 Jahre danach.

Es liegt in seinen Dialogen, die nimmermüde die Sätze zitieren, die „Star Wars“ für ein ganzes Genre geprägt hat: „Wir bekommen Besuch“ etwa, wenn das Böse wieder einmal anklopft – und die aber nun wie eine altersmilde Persiflage daherkommen, als Rückschau auf den ganzen Quatsch der alten Zeiten.
Wenn Kylo Ren Niederlagen einstecken muss und in seinem Zorn darüber mit dem Lichtschwert das Mobiliar zusammen drischt, dann ist das nur für seine Handlanger erschreckend. Für den Zuschauer ist es sehr lustig – weil es auch eine Hommage an die cholerischen Ausbrüche Darth Vaders ist.
Humor als tragende Säule
Der Humor war im Krieg der Sterne bislang eine Nebenveranstaltung. Wenn sie stattfand, dann meistens mit biederer Note, man denke nur an den nervtötenden, an die Zeichentrickfigur Goofy erinnernden Jar Jar Binks aus den drei Prequels.
Diesmal gehört Komik zu den tragenden Säulen. Und das wird nur erkennen, wer vor Jahrzehnten die ersten Folgen dieses Weltraummärchens sah und sich sofort verliebte in all seine absurden Charaktere, seine esoterischen Abwege, in seine opernhafte Schamlosigkeit in Kitsch- und Klischeefragen. Dieses Gefühl feiert diesem Film seine Auferstehung. Er handelt davon, wie wir waren, als wir jung waren.




























