Deutschlandradio

Mär von einem gesamtdeutschen Erfolgssender

Beim Deutschlandradio ist die Stimmung mies. Intendant Steul wird mangelnde Menschenführung und Geldverschwendung vorgeworfen. Und es gibt weiter große Probleme zwischen den Kollegen aus West und Ost.

Foto: Reto Klar

Keine drei Wochen nach dem Festakt zum 20-jährigen Bestehen des nationalen Hörfunksenders Deutschlandradio in Berlin ist die Stimmung in den Redaktionen des Senders im Keller. Intendant Willi Steul musste sich am Donnerstag in Berlin im früheren Rias-Gebäude und Freitag am Kölner Raderberg in Personalversammlungen der Kritik der Mitarbeiter stellen. Ihm wird mangelnde Menschenführung und Geldverschwendung vorgeworfen.

Emotional zugespitzt hat sich die Lage durch den Selbstmordversuch eines Kölner Kollegen, der nur durch den Einsatz von Notfallhelfern gerettet wurde. Der Journalist wollte sich offensichtlich gezielt am Tag der 20-Jahr-Feier das Leben nehmen und hinterließ einen Protestbrief, in dem er dem Intendanten unter anderem finanzielle Misswirtschaft vorwirft.

"Da ist nix zusammengewachsen"

Steul hat inzwischen angekündigt, die Kommunikation innerhalb des Senders zu verbessern. Den Vorwurf der Geldverschwendung, der in dem Schreiben des Mitarbeiters nicht weiter konkretisiert worden sein soll, wies er indes energisch zurück. Keine andere Rundfunkanstalt werde finanziell so streng kontrolliert wie das Deutschlandradio. Zugleich bekräftigte Steul, an den eingeleiteten Programmänderungen festzuhalten, auch wenn die mit unausweichlichen Personalveränderungen verbunden seien.

Nach Meinung lang gedienter Mitarbeiter des Senders bricht mit dem offenen Konflikt jetzt auf, was jahrelang verschwiegen, verleugnet und verdrängt worden sei. "Da ist nix zusammengewachsen seit 1994. Es gibt weiter große Probleme zwischen den Kollegen aus West und Ost. Nach außen wird auf Friede, Freude, Eierkuchen gemacht, hausintern herrscht Konkurrenzneid und Misstrauen.

Das war schon beim Gründungsintendanten Ernst Elitz so und setzt sich unter dessen Nachfolger Steul fort", sagt einer aus dem Sender mit langer Gremienerfahrung. Das Deutschlandradio wurde 1994 aus dem West Berliner Rias und dem Kölner Deutschlandfunk mit Teilen von Stimme der DDR und Radio DDR 2 zum einzigen nationalen Hörfunksender Deutschlandradio zusammengelegt.

Konkurrenzdenken zwischen Berlin und Köln

Doch nicht allein die ungelösten Ost-West-Befindlichkeiten tragen zur miesen Stimmung bei, offensichtlich herrscht auch ein starkes Konkurrenzdenken zwischen den Standorten Berlin und Köln. Die Behauptung aus Köln, der Intendant betreibe in Berlin finanzielle Misswirtschaft, sei kaum haltbar, bestätigt ein anderer Insider außerhalb der Intendanz. Die Bauarbeiten in Berlin hätten sich verteuert, weil die Umbau- und Renovierungsmaßnahmen um Jahre hinausgezögert wurden.

Der Grund: Aus dem gemeinsamen Bauetat musste erst das Kölner Haus saniert werden, das stärker als erwartet mit Asbest verseucht war Der Konflikt bestätigt Befürchtungen, das Deutschlandradio als gesamtdeutscher Sender mit drei eigenständigen Programmen sei von Anfang an eine "Missgeburt". Ehrlicher wäre es gewesen, einen Sender mit einem gemeinsamen Programm zu entwickeln.

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