22.11.12

"Die Czardasfürstin"

Seefestspiele bleiben 2013 doch am Berliner Wannsee

Obwohl Veranstalter Schwenkow mit dem Event die Stadt verlassen wollte, findet es nun doch wieder statt - und widmet sich der Operette.

Foto: DEAG Deutsche Entertainment AG

Gastspiel: Die Produktion „Csardasfürstin“ des Budapester Operettentheaters wird im Sommer 2013 zehn Mal auf der Bühne am Wannsee gezeigt
Gastspiel: Die Produktion "Csardasfürstin" des Budapester Operettentheaters wird im Sommer 2013 zehn Mal auf der Bühne am Wannsee gezeigt

Verspätet kommt Yvonne Kalman, die Tochter des großen Operettenkomponisten Emmerich Kalman, aufs Podium. Der ungarische Regisseur Miklos-Gabor Kerenyi unterbricht sofort seine Plauderei über sich selbst. "Entschuldigung", sagt er mit geradezu schwärmerischem Akzent: "Ich muss einen Kuss geben." Dann stürmt er auf die Kalman zu und tut es mit großer Geste. Alles wartet geduldig. Die Pressekonferenz, bei der für die 3. Seefestspiele Berlin im August 2013 die Kalman-Operette "Die Czardasfürstin" angekündigt wird, hat selbst etwas von einer Operette, in der bekanntlich immer nichts so ist, wie es scheint. Hauptsache harmoniesüchtig, andere sagen schnulzig.

"Der Wannsee ist das Schönste, was es in Deutschland gibt"

Aber halt, eigentlich hätte es diese Pressekonferenz ja nie geben dürfen. Noch im August 2012, kurz vor Beginn der zweiten Seefestspiele mit der von Filmregisseur Volker Schlöndorff inszenierten Oper "Carmen", hatte Veranstalter Peter Schwenkow lautstark auf den Senat geschimpft und verkündet, es werde keine Seefestspiele in Berlin mehr geben.

Jetzt auf dem Podium wird Peter Schwenkow vermisst, ihn vertritt der Sportgroßveranstalter Michael Mronz, der freudig mitteilt, dass "der Wannsee und die Atmosphäre das Schönste ist, was es in Deutschland gibt". Man habe die Alternativangebote geprüft, aber nichts für attraktiver befunden. Und überhaupt sei die Operette ein "starkes Thema". Auf dem Plakat ist selbstbewusst der Slogan aufgedruckt: Die Operette hat wieder ein Zuhause in Berlin! Das neue Logo spricht von der "Operettenbühne Wannsee". Das Ganze findet vom 14. bis 25. August 2013 im Strandbad statt.

Schwenkow entschuldigt Wortbruch mit Partnerschaftlichkeit

Peter Schwenkow ist auf seinem Mobiltelefon zu erreichen. Er sei unterwegs nach München, sagt er, zu Stargeiger David Garrett, anschließend geht es weiter nach London. Die Geschäfte rufen. Der Berliner Termin sei deshalb so kurzfristig angesetzt worden, weil man die Yvonne dabei haben wollte. Die Kalman-Tochter und damit auch Rechteinhaberin lebt in den USA, überwiegend aber in Mexiko.

Veranstalter Schwenkow erklärt seinen Sinneswandel damit, dass seine Partner Burghard Zahlmann (Concertbüro Zahlmann) und Michael Mronz (MMP) nach Analyse der Zahlen gesagt haben: "Wollen wir es nicht noch einmal machen?" Auch die Publikumsbefragung habe ergeben, dass Operette funktionieren werde. Man sei ein gutes Gesellschafterteam, versichert Schwenkow. "Ich kann verstehen, dass man meine Partnerschaftlichkeit als Wortbruch sehen will, aber als Partner muss man auch einen Weg mitgehen", sagt er. "Das erfolgt nicht mit zusammengebissenen Zähnen, aber es ist mehr Loyalität und Disziplin als mit Lust. Aber bekanntlich kommt der Appetit beim Essen."

Alle bedauerten den kulturellen Verlust der Seefestspiele

Schwenkows damalige Absage folgte auf ein Veto der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hin, die kurzfristig die geplante Bühnenkonstruktion verboten hatte. Die Bühne ragte um knapp sechs Meter in die Trinkwasserzone hinein. Dem Umbau fielen Tausende Zuschauerplätze und damit Einnahmen zum Opfer. Schwenkow hatte daraufhin die politische Karte gespielt und direkt den Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) angegriffen. Alle rundum bedauerten pflichtschuldig den kulturellen Verlust der Seefestspiele. Gaebler habe weder angerufen, noch sich entschuldigt, sagt Schwenkow: "Aber ich kann mich doch nicht in meinen unternehmerischen Entscheidungen von einem Staatssekretär abhängig machen."

Die Operette ist die kleine Schwester der Oper, also auch preisgünstiger. "Wir werden eine andere Bühnenkonstruktion benutzen", erklärt Schwenkow: "Obwohl wir uns an die ominöse Grenze halten, kommen wir auf unsere Kapazität. Ich hoffe, wir kommen auf 4000 Plätze, bei zehn Vorstellungen also insgesamt auf 40.000 Plätze." Es geht zuerst um Ticket-Einnahmen.

Regisseur Kerenyi sagt, die Operette sei nicht tot

Irgendwann kommt es bei der Pressekonferenz im Collegium Hungaricum, wie es kommen muss: Regisseur Kerenyi beginnt plötzlich Kalman zu singen. Ganz allein, lächelnd, Beifall heischend. Kerenyi sagt, die Operette sei nicht tot. So wie Shakespeare über die Macht, Tschechow über die Nostalgie geschrieben haben, berichtet die Operette immer "über verrückte Liebe."

Kerenyi, der sich seinen Künstlernamen Kero als Markennamen hat rechtlich schützen lassen, ist seit zwölf Jahren Generaldirektor des Budapester Operettentheaters. Keros "Czardasfürstin"-Inszenierung hat schon einige Jahre auf dem Buckel und war auch schon im Festspielhaus Baden-Baden zu sehen. Diese "Czardasfürstin" mutet wie eine Fernsehoperette der 70er-Jahre an – junge Darsteller singen, tanzen und übertreiben in historischen Kostümen.

Die Operette bleibt ein Gastspiel - erst 2014 wieder Eigenproduktionen

Am Wannsee wird die Operette aufgepeppt – mit einem neuen, größeren Bühnenbild und mehr Darstellern. Genau genommen bleibt es ein Gastspiel, erst für 2014 plane man wieder eine Eigenproduktion, sagt Norbert Eierding, der Geschäftsführer der Seefestspiele. Rührend ist, wie alle der Operette plötzlich eine große Karriere voraussagen.

"Ich glaube zutiefst daran, dass der Operette eine unglaubliche Renaissance bevorsteht", sagt Peter Schwenkow. "Wir wissen von Superstars der klassischen Musik, dass sie in den nächsten zwei Jahren auch Operetten-Alben herausbringen werden." Christian Thielemann dirigiert im ZDF zu Silvester ein reines Kalman-Programm. Und Tochter Kalman verweist auf Anna Netrebko. Die russische Starsopranistin wird mit Jonas Kaufmann die "Czardasfürstin" einsingen. Für den Wannsee sind aber keinerlei Stars angekündigt.

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