Stille empfängt den Besucher, der sich durch die schwere Holztür in den kleinen, dunklen Empfangsbereich des Märkischen Museums wagt. Es fühlt sich an, als befindet man sich in einem vergangenen Jahrhundert. Noch kann man sich nicht vorstellen, wie die Räume dieses alten Backsteingemäuers sich in den kommenden Jahren zu einem kulturellen Anziehungspunkt verwandeln sollen. Doch Museumsdirektor Paul Spies ist sich des angestaubten Images des Hauses bewusst. Er zeigt sich optimistisch, dass dieser Dienstagmittag ein entscheidender Moment auf dem Weg zu einem Stadtmuseum der Zukunft ist.
Denn Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Marion Bleß vom Vorstand der Berliner Lottostiftung sind in das Haus gekommen, um das Finanzierungsabkommen für das Sanierungsvorhaben zu unterzeichnen. Damit ist die Zukunft des Stadtmuseums offiziell besiegelt und die Stadt bald um eine Kulturbaustelle reicher, wie Grütters feststellt.
Sie betont, dass es sich bei dem Vorhaben einerseits um die Sanierung zweier bedeutender Baudenkmäler aus dem frühen 20. Jahrhundert handele und andererseits der Weg für ein innovatives Quartier bereitet werde. „Dieses Haus ist unser Juwel“, erklärt auch Niederländer Spies, der schon dem Amsterdam Museum zu neuem Ruhm verhalf, und nennt es im nächsten Atemzug die Berliner „Nachtwache“ in Anlehnung an das berühmte Rembrandt-Gemälde.
2020 muss das Märkische Museum zur Sanierung geschlossen werden
Überzeugt habe Grütters vor allem die pädagogische Vermittlungsarbeit, also Schüler in das Haus zu holen. Denn das geschehe in der deutschen Museumslandschaft noch zu selten. Der Bund wird von den 65 Millionen Euro Investitionen genau die Hälfte übernehmen, das Land Berlin stellt 22,2 Millionen, die Stiftung Deutsche Klassenlotterie weitere 10,3 Millionen Euro.
Unter dem etwas sperrigen Namen „Museums- und Kreativquartier am Köllnischen Park“ sollen das Märkische Museum und das benachbarte, seit Jahren leerstehende Marinehaus zu einem lebendigen, innerstädtischen Hotspot vereint werden. Das soll auch das umgebende Stadtviertel, in das sich bisher nur vereinzelte Touristen verirren, wiederaufleben.
Die Pläne sind groß: Die Außenfassade des 1908 eröffneten Museums soll gereinigt und der Eingangsbereich freundlich, offen und barrierefrei gestaltet werden. Der Turm wird zum Aussichtsturm, neue Ausstellungen sollen mehr Besucher locken. Das Marinehaus wird Werkstätten, „Co-Working Spa-ces“ und Studios beherbergen, die sowohl von freien Künstlern als auch vom Museum genutzt werden können.
Lederer zeigt sich hoffnungsvoll, dass sich das Stadtmuseum unter der Leitung von Spies aus seinem „Mauerblümchendasein“ befreit. Er empfiehlt, sich die Ausstellung zum Jahr 1937 anzusehen, die derzeit präsentiert wird, vor allem jenen Teil, in dem Schüler mitmachen können: „Ein Museum soll ein bisschen den Geruch des Heiligen verlieren“, sagt er.
2020 muss das Märkische Museum für die Sanierung geschlossen werden, voraussichtlich für drei Jahre. Es wird also noch etwas dauern, bis das Stadtmuseum in neuem Glanz erstrahlen kann.




