Er kann es nicht lassen. Vier Monate nach der Bekanntgabe des Siegerentwurfs für das geplante Museum der Moderne auf dem Kulturforum meldet sich Stephan Braunfels jetzt erneut zu Wort. Und nicht nur das. Der von sich und seiner Arbeit überzeugte Architekt, „meckert nicht nur“, wie er am Mittwoch selbstironisch sagte. Braunfels gibt eben nicht nur den „Querulanten“, als welcher er oft wahrgenommen und möglicherweise nicht ernst genommen wird.

Er präsentierte am Mittwoch in Berlin auch einen neuen städtebaulichen Entwurf für das Kulturforum im Ganzen und reaktiviert damit einen „alten“ Standort für das Museum der Moderne an der Sigismundstraße. Denn für Braunfels steht fest: Die Lage für den von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron entworfenen schlichten Riegelbau – „ein Bierzelt“ – an der Potsdamer Straße ist eines der Probleme dieses Areals.

Es geht hier um Städtebau und Stadtraum

„Es geht hier um Städtebau und Stadtraum, und eben nicht nur um einen Einzelbau, der ohne Bezug zwischen den Architektur-Ikonen Neue Nationalgalerie und Philharmonie platziert wird und sie verstellt“ sagte der Architekt der Berliner Morgenpost noch vor der Präsentation. Überraschend: Mit seinem neuen Gesamtkonzept für das Kulturforum konterkariert Braunfels jetzt sogar seine eigenen Planungen für das Kulturforum, die er zuletzt 2013 vorgelegt hatte. Damals hatte er für einen Museumsneubau an der Potsdamer Straße plädiert und das Ganze, wie er selbst sagt, damit auf den Weg gebracht. „Ich bin schuld“, so der Architekt.

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Jetzt also zurück auf Anfang: Das Museum soll wieder an die Sigismundstraße. Dort, wo es bis zum damals bereits umstrittenen Machtwort von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) noch 2015 vorgesehen war. Braunfels schlägt das Museum als terrassierte Erweiterung der Neuen Nationalgalerie vor. „Damit bleibt dieser Bau von Mies van der Rohe, eines der schönsten Bauwerke des 20. Jahrhunderts, in seiner weltberühmten Solitarlage erhalten“, sagte Braunfels.

Der Kunstfreund, Kunstsammler und unter anderem Planer der weltweit angesehenen Pinakothek der Moderne in München hat gleich noch zwei weitere Argumente für seine Museumsidee zur Hand. Der terrassierte und oberirdisch viergeschossige Bau (zwei Untergeschosse) ermögliche die Kunst ins rechte (Tages-)Licht zu stellen, was gerade bei der Malerei des 20. Jahrhunderts wichtig sei.

So sehen Sieger aus: Der Entwurf für das Museum der Moderne von Herzog & de Meuron
So sehen Sieger aus: Der Entwurf für das Museum der Moderne von Herzog & de Meuron © © Herzog & de Meuron Basel Ltd., Basel, Schweiz mit Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich/Berlin | © Herzog & de Meuron Basel Ltd., Basel, Schweiz mit Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich/Berlin

Als weiteren Pluspunkt dieser Planung verweist der Architekt auf die Möglichkeit einer rückwärtigen Verbindungsbrücke. Diese Passerelle könnte, so Braunfels, alle Museen – auch die bestehenden wie das Kupferstich-kabinett und das Kunstgewerbemuseum – miteinander verbinden. Zwischen den beiden Bestandsmuseen sieht der Braunfels’sche Masterplan auch noch einen weiteren Neubau vor: „Anstelle der verunglückten schrägen Freifläche der sogenannten Piazzetta muss die Haupt­ein­gangshalle zu allen Museen geschaffen werden“, so Braunfels. Das – natürlich – tagesbelichtete Obergeschoss dieses Neubaus stellt sich der Planer als große und dringend erforderliche Kunsthalle für Wechselausstellungen vor. Doch damit sind der Neubauten in diesem Gesamt­ent­wurf noch nicht genug. Um das eigentliche Forum, die Freifläche zwischen den Gebäuden neu und – nach seiner Ansicht – zu allen Seiten hin auch besser zu fassen, setzt Braunfels auf einen dritten Saalbau für die Philharmonie. Eine multifunktionale neue Halle, die der Planer „Salle Modulable“ nennt, soll nicht nur zeitgenössischer „Musikdarstellungsformen“ Raum bieten. „Ich denke hier auch an Möglichkeiten für darstellende Künste wie Tanz oder Theater“, so Braunfels.

Dreh- und Angelpunkt des grundsätzlichen Planungsansatzes von Stephan Braunfels ist aber die Verlegung der Potsdamer Straße. „Die Veränderung der Straßenführung ist der Schlüssel zu allem“, sagt der Stadtplaner. Die nach seiner Idee künftig nicht mehr so breite und zur Leipziger Straße leicht nach rechts verschwenkte Straße müsste näher an die Staatsbibliothek, wodurch das von Hans Scharoun geplante und nach dessen Tod von seinem Partner Wiesniewski vollendete Bauwerk nicht mehr länger in der zweiten Reihe stehe.

Wasserfontänen zum Schutz vor Straßenlärm

Für den dadurch gewonnenen zusätzlichen Freiraum auf dem Kulturforum plant Braunfels Wasserflächen mit steuerbaren Fontänen. Sie sollen wiederum optischen und akustischen Schutz vor dem Straßenlärm bieten.

Architekt und Stadtplaner Stephan Braunfels
Architekt und Stadtplaner Stephan Braunfels © Amin Akhtar | Amin Akhtar

Ob er für all diese und weitere Ideen seines Gesamtentwurfs jetzt überhaupt noch eine Chance sehe? Eine Vollbremsung bereits bestehender Pläne hätte es an diesem Ort schon mehrfach gegeben. „Ich denke, es ist noch rechtzeitig, denn das Bebauungsplanverfahren dauert bestimmt noch zwei Jahre“, betonte Stephan Braunfels. Laut der Sprecherin der dafür zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Katrin Dietl, wurde der Bebauungsplan bereits „von der Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG erstellt und vom Senat bearbeitet, eine Aufstellung ist bereits erfolgt“. Eine Festsetzung, so Katrin Dietl, sei bis Spätherbst 2017 möglich.

Die einzige Chance, noch etwas zu retten, seien jetzt starke Argumente, so Braunfels selbstbewusst. Eins scheint ihm jetzt doch wichtig, nachdem er heftig gegen den Siegerentwurf für das Museum der Moderne gewettert hatte: Er wolle Herzog & de Meuron
nicht kritisieren. Seine Kritik richte sich dagegen, dass für diese bedeutende Fläche nicht einmal ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt wurde.

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