Peter Zander

Es ist ein bisschen wie bei „Space Cowboys“. In dem charmanten Clint-Eastwood-Film wurden vier ehemalige Astronauten, darunter Eastwood selbst, noch mal ins All geschossen, um einen Satelliten zu reparieren, der so alt war, dass niemand sonst mehr wusste, wie er funktioniert. Dabei nährte sich der Witz vor allem daraus, dass die Senioren es den Jungen noch mal zeigen mussten, auch wenn ihr körperlicher Zustand das kaum hergab.

In „Kundschafter des Friedens“ sind es nun vier ehemalige DDR-Spione, die vom Bundesnachrichtendienst noch einmal reaktiviert werden, um einen entführten Politiker aus dem fiktiven Land Katschekistan zu befreien, einem ehemaligen Gebiet der Sowjetunion, in dem der einzige West-Experte, der sich da auskennt (Jürgen Prochnow), gleich mit entführt wurde.

Auch das ist nicht ohne Charme, wie Henry Hübchen als zerknitterter Rentner an seiner Imbissbude plötzlich von mehreren Agenten umringt wird. Und erst mal, alter Fluchtreflex, davonläuft, wobei ihm schnell die Puste ausgeht. Der ehemalige Zonen-James-Bond willigt schließlich nur ein, weil der verschwundene West-Agent ausgerechnet der ist, der ihn einst enttarnt hat und mit dem er noch eine Rechnung offen hat. Er tut es auch nur unter der Bedingung, seine alten Kumpels rekrutieren und mit ihnen selbst ins Krisengebiet ziehen zu dürfen.

Die Alt-Agenten im Krisengebiet
Die Alt-Agenten im Krisengebiet © Majestic | Majestic Filmverleih

Kundschafter des Friedens: So bezeichnete die DDR tatsächlich ihre Auslandsspione. Und der Beginn von Robert Thalheims Komödie ist so fetzig inszeniert wie die DDR-Agentenserie „Das unsichtbare Visier“ aus den 70er-Jahren. Der Witz speist sich hier vor allem daraus, dass vier ältere Schauspielherren aus der DDR – neben Hübchen Thomas Thieme, Michael Gwisdek und, als besonders selbstironischer Auftritt, Winfried Glatzeder als „Romeo“ vor Ort – mit großer Spiellust gegen eine jüngere, deutlich fittere und mit ­allen modernen Wassern gewaschene Agenten-Garde aus dem Westen antreten. Und dabei ständig Parolen postulieren wie „Wir arbeiten analog“ und „Wir sind besser“.

Nur leider bleibt Letzteres eine stete Behauptung, die nie wirklich eingelöst wird. Auch im fernen Katschekistan hat sich halt viel verändert in den letzten 30 Jahren, die ehemaligen Connections sind genauso ausgemustert wie alte Geheimverstecke. Und so lösen die reaktivierten Rentner, denen eine junge Aufpasserin (Antje Traue) verpasst wird, eine Katastrophe nach der anderen aus.

Showdown im alten Bonner Bundestag
Showdown im alten Bonner Bundestag © Majestic | Majestic Filmverleih

Bei besagten „Cowboys im All“ oder auch der Action-Komödie „R.E.D.“ konnten Alt-Stars wirklich augenzwinkernd beweisen, dass Jugend nicht alles ist und Erfahrung doch auch was zählt. Hier aber wirken die Vier nur wie störrische Senioren, die alles immer besser wissen wollen – und es dann doch nicht hinkriegen.

Hübsche Ironie immerhin, dass der Showdown nicht in fernen, exotischen Kulissen spielt, sondern im ehemaligen Bundestagsgebäude in Bonn. Das zumindest ist ein ausrangiertes Relikt, das wirklich noch mal zu einem echt starken Auftritt kommt.