Peter Zander
Kinder schreiben ja gern an den Weihnachtsmann, wenn sie ihre geheimen Wünsche offenbaren wollen. An wen aber können sich Erwachsene wenden? Im Film „Verborgene Schönheit“ schreibt ein verzweifelter Werbeunternehmer an die Liebe, die Zeit und den Tod. In vielen Briefen. Die er auch alle in den Briefkasten steckt.
Das seien die drei Säulen des Lebens, hat dieser Howard (Will Smith) zu Beginn des Films seiner Belegschaft noch in einer mitreißenden Rede erklärt: „Wir sehnen uns nach Liebe, wir wünschen uns mehr Zeit und wir fürchten den Tod.“ Dann aber hat der Tod seine sechsjährige Tochter von ihm genommen.

Und schon einen Film-Schnitt später ist da nichts mehr von Elan und Optimismus: Will Smith, das wird die Fans schocken, ist plötzlich grauhaarig und weint. Ist abweisend, nicht ansprechbar und baut im Büro nur stumm ganze Gebäude aus Dominosteinen, gebrechliche Konstruktionen, die fast schon aufdringlich seinen Seelenzustand widerspiegeln.
Wie weit kann Freundschaft gehen? Seine besten Freunde und Teilhaber an der Firma, Whit (Edward Norton), Claire (Kate Winslet) und Simon (Michael Peña), sorgen sich um Howard. Sie sorgen sich aber auch um die Firma, die ohne ihn ins Trudeln kommt. Deshalb heuern sie eine Privatdetektivin an, die ihm hinterherspioniert.

Und als das mit den Briefen herauskommt, verfallen sie auf eine seltsame Idee: Warum nicht ein paar Schauspieler anheuern, die die allegorischen Figuren Liebe, Zeit und Tod höchst leibhaftig verkörpern und Howard auf der Straße ansprechen sollen, um ihn aus seiner Lethargie und Isolation zu reißen?
David Frankels Tragikomödie ist selbst so ein riesenhaftes Domino-Konstrukt, das jederzeit einzustürzen droht. Im Grunde ist dies ja doch eine sehr krude, ja fast grausame Idee, einen Freund so zu hintergehen. Die Stars des Films müssen dafür schon all ihren Nimbus in die Waagschale legen. Sie erhalten dabei weitere star-trächtige Unterstützung, wenn Helen Mirren und Keira Knightley als finanziell klamme Schauspieler einer Off-Off-Bühne auftreten, die in die metaphorischen Rollen schlüpfen sollen.
Knightley übernimmt nur widerwillig den Part der Liebe, Mirren dagegen genießt ihr Spiel als Tod sichtlich und würde auch die anderen Rollen gern übernehmen. Als Zeit kommt noch ein junger Spund mit Skateboard ins Spiel. Und plötzlich wird der arme Howard überall von seinen fiktiven Adressaten verfolgt und zweifelt an seinem Verstand.

Auch die sich hieraus entzündenden Dialoge sind eine Gratwanderung zwischen philosophischen Gedanken und kitschigen Kalendersprüchen. Man hat stets die riesigen Domino-Gebilde im Kopf und befürchtet, jeden Moment könnte das Filmkonstrukt einbrechen. Aber es ist der Regie Frankels („Der Teufel trägt Prada“) und seiner Erste-Liga-Besetzung zu verdanken, dass die Balance gehalten wird und am Ende so manches Schnupftuch gezückt werden muss.
Dabei macht der Freundschaftsdienst auch etwas mit den Freunden selbst. Die Schauspieler locken nicht nur Howard aus der Reserve. Die Liebe überzeugt Whit, um seine Tochter zu kämpfen, die Zeit macht Claire deutlich, dass es noch mehr gibt als Arbeit, und der Tod drängt Simon, sich einer verdrängten Krankheit zu stellen. Als ob noch jemand ganz anderes die Mimen engagiert hätte, um ihre Rollen weiterzuspielen.
Das ist klassisches Hollywood-Gefühlskino, bei dem einem stets ein Kloß im Hals stecken bleibt, was aber gleich wieder ironisch gebrochen wird. Eigentlich ein idealer Weihnachtsfilm, der auch in der Weihnachtszeit spielt und in dieser fast überall auf der Welt ins Kino kam. Warum der deutsche Verleih den Start in den Januar verschoben hat, bleibt sein Geheimnis.


