Ein wenig Menschenverachtung kann die Sinne schärfen, das war schon immer das untergründige Motto von Ulrich Seidl. Wobei der Österreicher in seinen Spiel- und Dokumentarfilmen dem Publikum stets die Gratwanderung der Zweideutigkeit zumutet. Einerseits fühlt man sich etwa den Sextouristinnen in Afrika in der „Paradies“-Trilogie schnell überlegen. Andererseits stellt Seidl die Gewöhnlichkeit seiner Figuren auf eine Weise heraus, die im Zuschauer die Angst lebendig hält, doch nicht so anders zu sein.
Die Großwildjäger, die Seidl in seinem neuen Film „Safari“ zeigt, sind da keine Ausnahme: Alt und schrullig die einen, arrogant und verstiegen die anderen, sind es doch alles Figuren, neben denen man schon mal gesessen haben könnte. Seidl arrangiert sie in seiner inzwischen zum Markenzeichen gewordenen Fasson: In lächerlich anmutender Freizeitkleidung, umgeben von Trophäen und frontal der Kamera zugewandt. Sobald sie den Mund aufmachen, ist es da: das sichere Gefühl von moralischer Überlegenheit. Aber anders als in den früheren Filmen von Seidl geht es diesmal nicht mehr weg.

Was auch am Thema liegt: Außer Wallstreet-Bankerei gibt es wohl kein Tun, das so verachtet wird wie Großwildjägerei. Das ist selbst den Protagonisten des Films bewusst, führen sie doch Rechtfertigungen anführen, dass hier Tiere „erlöst“ werden zum Wohl der nachwachsenden Generationen oder dass Segensreiches für die afrikanische Wirtschaft geleistet wird. Dass sie sich „auf der Pirsch“ der für heutige Ohren bizarr klingenden Jägersprache bedienen begreift man als durchsichtiges Manöver, sich das Töten als Sport schön reden zu wollen.
Spätestens wenn sie sich fürs ritualisierte Foto nach der Jagd in Pose hinter ihr drapiertes Opfer begeben, ist es mit jeder Sympathie vorbei. Menschen zu verachten, war in einem Seidl-Film noch nie leichter – was „Safari“ zu ei-nem seiner schwächsten Werke macht.


