Koalabär Buster Moon ist ein Theaterdirektor alter Schule. Er hat ein Musicaltheater geerbt, mit roten Plüschsesseln, zwei Rängen und einer legendären Vergangenheit. Leider fehlt in der Gegenwart das Publikum. Dem wiederum fehlt ein Grund, ins Theater zu gehen, für klassisches Entertainment scheint kein Schwein mehr Geld ausgeben zu wollen. Auch kein Gorilla, kein Tintenfisch und kein Elefant. Die Welt von „Sing“ wird eben nicht von Menschen bewohnt, sondern von Tieren, die sich allerdings sehr menschlich verhalten.
Warum? Wahrscheinlich ist Filmproduzent Christopher Meledandri, nachdem er mit „Ich, einfach unverbesserlich“ und den „Minions“ zum Top-Player in der Animationsfilmbranche geworden war, schlicht auf der Suche nach einem weiteren todsicheren Hit gewesen. Und weil „Lustige Tiervideos“ und „Casting-Show-Auftritte“ zu den beliebtesten Formaten im Internet gehören, muss doch eine Casting-Show mit lustigen Tieren einfach funktionieren.

Diese Hoffnung teilt Meledandri offenbar mit seinem vom Regisseur Garth Jennings erdachten Helden. Denn Buster (gesprochen vom „Supertalent“-Moderator Daniel Hartwich) sieht nur einen Ausweg, um sein hoch verschuldetes Theater vor dem Konkurs zu retten: Er plant ein Casting, in dem ganz normale Tiere von nebenan ihr Gesangstalent unter Beweis stellen können.
Wie das Ganze später ablaufen und zum gewinnbringenden Show-Format ausgebaut werden soll, bleibt unklar. Fest steht nur, Busters treuer Sekretärin Miss Crawley (gesprochen von Katharina Thalbach), eine 200jährige Chamäleon-Dame mit Glasauge, unterläuft beim Abtippen desAufrufs ein verhängnisvoller Fehler: Nicht, wie geplant 1.000 Dollar sondern 100.000 Dollar beträgt nun die Siegerprämie.

Entsprechend groß ist bei der ersten Casting-Runde der Andrang:. Egal ob Schnecke, Giraffe oder Hummer: Alle singen vor, durchweg passabel und quer durch die Popgeschichte: Hier ein Klassiker von Christopher Cross, da ein Hit von Rapperin Nicki Minaj. Doch in die zweite Runde schaffen es nur eine Handvoll Kandidaten. Unter ihnen Hausschwein Rosita (Alexandra Maria Lara), Mutter von 25 Ferkeln; Ash, die Indie-Rockerin unter den Stachelschweinen (Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß) und Mike, die Maus (Klaas Heufer-Umlauf), ein Saxofonist und Frank-Sinatra-Imitator.
Während sich der hoffnungsvolle Nachwuchs im Spagat zwischen Privatleben und Probenarbeit versucht, besucht Buster die vermögende Oma seines besten Freundes, des antriebslosen Schafs Eddie (Olli Schulz). Miss Nana Noodleman (Iris Berben) war mal eine große Diva, irgendwo zwischen Nina Simone und Maria Callas. Ob sie sich als Sponsorin gewinnen lässt? Werden alle Kandidaten rechtzeitig zum Auftritt kommen und dann auch die richtigen Töne treffen?

Zugegeben, besonders spannend klingen diese Fragen nicht. „Sing“ ist tatsächlich eher „character driven“, wie man in Hollywood sagt. Die Geschichte lebt weniger von einer spannend erzählten Handlung. Im Zentrum stehen vielmehr die originelle Zeichnung (im wahrsten Sinne des Wortes) ihrer Protagonisten, ihr individueller, vor allem musikalischer Ausdruck und die Welt, in der sie leben. Man staunt, wie komplex einzelne Szenen animiert sind.
Bei all dem Unterhaltungswert, den die tierischen Gesangsnummern durchaus haben, und dem chaotischen Slapstick beschleicht einen im Lauf des Films doch die Ahnung, dass Produzenten und Regisseur sich nicht wirklich im Klaren darüber waren, welche Geschichte sie eigentlich erzählen wollten. So wird der im Finale gesungene Stevie-Wonder-Hit „Don’t You Worry ‘bout a Thing“ nicht zur Selbstermächtigungshymne, er scheint das zurechtharmonisierte Happy-End mit einem simplen „Mach Dir keinen Kopf, liebes Publikum“ entschuldigen zu wollen.


