Karina Repova hat sich einen ihrer Lieblingsorte in Mitte für das Gespräch ausgesucht: das Café im Kulturkaufhaus Dussmann. Sie sei erst vor wenigen Tagen mit ihrer Familie hier gewesen, sagt die Berliner Sängerin, zu ihrem Geburtstag habe sie sich neue Noten ausgesucht, zur Vorbereitung für ein Vorsingen. Welches, könne sie nicht verraten, dazu sei alles noch zu unsicher.

Unsicher ist ein Wort, das so gar nicht zu der großen Frau im schwarzen Minikleid und hohen Schuhen passen will. Mit elegant gezogenem Lidstrich, leichtem Make-up und hellrotem Lippenstift sitzt sie gerade am Holztisch und bedankt sich freundlich, als die Kellnerin ihr den schaumigen Kaffee serviert. Sie spricht klar und langsam, immer wieder rollt sie ihre Augen, legt die Stirn in Falten oder breitet die Arme aus. Karina Repova lebt auf der Bühne.

In Lettland geboren, zog sie als Fünfjährige mit ihrer russischen Mutter und ihrem israelischen Vater nach Kiel. Mit 15 Jahren folgte der Umzug nach Berlin. Im Chorunterricht in der Schule habe sie dann ihre Liebe zur Oper entdeckt, sagt Karina Repova. „Unser Chorleiter war ein ehemaliger Opernsänger. Als er einmal eine Übung vorsang, war das das erste Mal, dass ich mit der Opernstimme in Berührung kam“. Seit diesem Erlebnis sei sie immer wieder in die Oper gegangen.

„Es hat mich unheimlich fasziniert, dass ein Mensch so etwas ohne Mikrophon, einfach aus sich heraus produzieren kann. Da habe ich mir gedacht, das will ich auch können“, sagt Karina Repova. Der Chorlehrer habe dann begonnen ihr Gesangsunterricht zu geben, einfach so, unentgeltlich, sagt sie, als würde es sie immer noch erstaunen. Dafür sei sie heute noch dankbar.

Dankbar für die Hilfe von Freunden und Familie

Dankbar, das sagt die 22-Jährige immer wieder. Sie sei dankbar, eine so umfangreiche Ausbildung zu erhalten, dankbar, gerade auf dem „Rossini in Wildbad“ Festival mit dem „International BelCanto Prize 2016“ ausgezeichnet worden zu sein, dankbar von Freunden und Familie unterstützt zu werden. Denn Noten, Bühnenkleider und Anfahrtskosten zu Vorsingen und Wettbewerben seien teuer. Und auch sonst unterscheide sich ihr Leben von dem vieler anderer Menschen.

„Sänger zu sein, ist nicht nur ein Beruf, sondern ein Lebensstil“, sagt sie. Sie rauche nicht, tränke kaum Alkohol, lege Wert darauf, immer ausgeschlafen zu sein, und achte sehr auf ihre Gesundheit. Ein Verzicht sei das nicht für sie. „Ich bin keine Partymaus wie andere Jugendliche. Aber ich versuche alles entspannt anzugehen und auch einmal nach der Probe mit Freunden zum Quatschen ins Café zu gehen. Ich bin kein Fan von Konkurrenz“, sagt sie.

Sie versuche einfach das zu machen, was sie und hoffentlich auch andere Menschen glücklich mache, sagt Karina Repova. Während des Singens und Spielens würde sie alles geben. Die Menschen zu bewegen, zum applaudieren, lachen oder weinen zu bringen, das sei ihr Ziel. Das sei etwas, das nicht erklärbar sei, fast schon Magie, sagt sie und lacht.

Mittlerweile hat sie Wagner für sich entdeckt

Wenn die Sängerin so redet, überrascht es nicht, dass sie besonders dramatische Rollen liebt und Verdi, Strauss und Mahler zu ihren Lieblingskomponisten zählen. Ihr großer Wunsch sei es immer gewesen, die Violetta in „La traviata“ zu singen, sagt sie. Jetzt sei ihre Stimmlage jedoch nicht mehr Sopran, sondern Mezzosopran. So sei die Violetta für sie erst einmal nicht mehr in Planung. Mittlerweile habe sie Wagner für sich entdeckt.

Die Kundry im „Parsifal“ sei einfach unbeschreiblich. „Einmal die Kundry singen zu dürfen“, sagt Karina Repova, „das ist mein ganz großer Traum und Wunsch.“ Heute gibt es keine großen Diven mehr unter den Opernsängern, glaubt die Sängerin. Die Regisseure hätten das Sagen und würden sich oft selbst in den Mittelpunkt der Produktion stellen. Natürlich gebe es auch großartige Regisseure, aber die Gefahr bestehe immer wieder, dass das Provokative im Vordergrund stehen würde. So leide schnell die Musik. „Ich wünsche mir, dass die Musik nicht an Wichtigkeit verliert.“

Karina Repova nimmt sich Zeit für das Gespräch. Es sind Semesterferien an der Universität der Künste, und die täglichen eineinhalb bis drei Stunden Übungszeit hat sie auf den Abend gelegt. Sie habe ein Klavier in der Wohnung und könne dort üben, natürlich etwas leiser als an der Universität, wegen den Nachbarn, sagt sie. Gerade bereite sie sich für die Abschlussprüfungen vor.