Im ausverkauften Berliner Velodrom fahren Gaukler Einräder und Mehrräder über einen Laufsteg, während eine Leinwand einen nebligen Gemäldewald zeigt. Schirmverkäufer zwischen Varieté und Straßenkunst wirbeln um weibliche Bauchladenverkäufer. Die Gaukler jubilieren, tanzen, alles wird bunt. Die Show kippt in Zirkus. Und dann – es hat aber auch wirklich lange gedauert – stehen sie da, die Take Trois in Anzügen. Einer petrolblau, einer grasgrün, einer überviolett.

Zahnräder rollen und grollen dort. Ein mechanisches Herz eingesperrt in einem Rohrgetümmel pumpt und pumpt, dass es blitzt. Ihr Gesang ist Kopfstimme, hoch und süß, jede ihrer Bewegung dazu aber knallhart. Es ist ein Tanzmilitär ohne Beine. Der Arm brennt hier genauso wie die ständige Pyro. Konfetti rieselt auf alles hinab und das schon in den ersten Minuten. Zuviel ist hier noch zu viel zu wenig.

Dann, die Natur hat die Hemden der Take That unter den Achseln befleckt, müssen sie sich umkleiden. Eine Leinwand fällt herunter. Scherenschnitte werden darauf gezeigt. Schwarz auf gelben Hintergrund sieht das Publikum schaukelnde Zopfmädchen und Blumen und Bäume, während hinter der Leinwand eine Disney-artige Unterwasserwelt aufgebaut wird. Die Netzhaut ist nun bereit durchzudrehen, denn riesige Quallen zucken vor buntem Riesenseegras, während ein kleines Seepferdchen trommelt und Seeigel gewordene Tänzer verspielt über den Bühnenboden kugeln.

Zucken und blitzen am violetten Gemäldedehimmel

Take That tragen jetzt güldene Boas und goldglitzernde Tentakel-Jacken. Sie singen „This is the life we’ve been given“ und fordern: „Open your heart!“ und „Start Living“. Die Gaukler verschwenden Luftballons an das stehende Publikum, und auf Kommando beginnt es mit ihnen zu spielen, denn für den Rest sieht das sehr schön aus. Dann stehen die Take Trois auf Podesten, tragen weiße Roben und mimen Kraftwerk mit zwei Keyboards und einer Trommel statt Computern. Sie singen „Affirmation“. Der Titel des Liedes läuft im Commodore-Stil über die Leinwand hinter ihnen. Dann, das Kraftwerk zerfällt, sie fahren auf den Podesten weiter nach oben in einen violetten Gemäldehimmel, in dem es zuckt und blitzt – Gewitter.

Zur Ruhe kommt man nur auf dem Felsen der Vergangenheit. „Back for Good“– das singen sie ohne weitere Übertreibung, denn es ist ein an sich ja schon übertriebener Hit. Das Ende, es ist natürlich „Never Forget“.