18.09.12

Buch

Unser neues Glamour-Girl Piratin Julia Schramm

"Klick mich" von Julia Schramm hat alle Zutaten für einen Bestseller: Sex, Empörung, Skandalisierung. Wenn nur nicht diese Buchstaben wären.

Foto: picture alliance / dpa

Alles drin: Julia Schramm hat ein Buch über Internet, Sex und Julia Schramm verfasst
Alles drin: Julia Schramm hat ein Buch über Internet, Sex und Julia Schramm verfasst

Wie der Zufall des Lebens so spielt, ist Julia Schramm, Jahrgang 1985, in der Politik gelandet. Hätte es die Piratenpartei nicht gegeben, wäre sie Unternehmerin geworden, pfiffig und geschäftstüchtig, wie sie ist. Nun aber ist sie im Vorstand der Piraten und macht aufregende Sachen, damit sie alle kennen. Denn Julia Schramms Produkt ist nicht so etwas Langweiliges wie Inhalt, sondern es heißt Julia Schramm.

Erst veröffentlichte sie via Twitter Bilder, in dem sie sich Koks reinzieht. War aber gar kein Koks, sondern Salz. So lustig ist das Piratenleben. Aber es ist auch ganz schön romantisch, denn geheiratet hat sie auch in diesem Jahr und das war dem Boulevard auch einen Aufmacher wert ("1. Piraten-Paar entert die Ehe").

Nun hat sie ein Buch geschrieben mit dem einprägsamen Titel "Klick mich". Das klingt natürlich ganz schön wild und gewagt postfeministisch nach "Fick mich" und die "Bild" zitiert heute die ganz scharfen Stellen, "von Explosionen, die durch ihren Körper fahren" und "sanften Stößen". Die "Faz" will zudem erfahren haben, dass die Autorin 100.000 Euro Vorschuss vom Knauss Verlag, der zu Bertelsmann gehört, bekommen hat. Das wäre ja ungeheuerlich, denn 15.000 Euro ist der Standard, einige Bestsellerautoren handeln 50.000 Euro aus, aber 100.000 Euro Vorschuss? Wir wissen nicht, ob das stimmt, aber was wir wissen ist, dass es sich verkaufsträchtiger anhört als: Julia Schramm erhält vom Verlag 1000 Euro und drei Freiexemplare. Und dann erreicht uns noch die Meldung, dass der Verlag gegen illegale Downloads vorgehen will und das obwohl sich die Autorin ansonsten gegen geistige Eigentumsrechte einsetzt. Ganz schön bigott, was?

Also haben wir schon mal alle Zutaten für einen Besteller: Empörung, Sex, Skandalisierung. Das einzige, was stört, ist nur noch dieses Zeugs… sie nennen es Buchstaben. Julia Schramm äußert ein paar einfältige Gedanken über das Internet ("Das digitale Zeitalter vernetzt uns mit dem Rest der Welt"), beschreibt in Jungmädchenprosa Partys ("Wieder mal einsam, was", fragte er mich. "Wieso eigentlich? Du wirkst immer so glückstrunken und von der Sonne geküsst") und schafft es auf 169 Seiten nicht einen einzigen originellen Gedanken zu formulieren - außer für die, die zum ersten Mal von dieser komischen Maschine namens Internet gehört haben. Moment Mal, stimmt gar nicht, ein Satz ist wirklich wahrhaftig: "Ich mag es, von mir zu erzählen."

Quelle: Matthias Wulff
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Multimedia
Kandidaten

Der Kampf um die Piraten-Spitze

Themen
Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Lokführer-Streik "Rücksichtsloses Treiben auf dem Rücken der…
Vulkanausbruch So sieht der brodelnde Babardunga von oben aus
Werbekampagne Hier heiratet ein zwölfjähriges Mädchen
Homosexualität Gemischte Gefühle zum neuen Tonfall des Vatikans
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Lichterglanz

Berlin erstrahlt beim "Festival of Lights"

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote